btb 2014
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Cilla und Rolf Börjlind – Die dritte Stimme

 

Eine Liebe der Vergangenheit und ein Mord der Gegenwart

 

Was könnte jene blinde Frau, deren zerstückelten Leichnam man an der Küste bei Marseille findet, zu jenem Lebensweg bewogen haben, der sich dem Leser erst langsam und Schritt für Schritt vor den Augen entfalten wird?

 

Und was steckt hinter den Vorwürfen gegen einen Finanzinvestor, der Pflegeheime betreibt und unter dessen starren Blick aus einem gesunden und einem Glasauge Olivia äußerst unwohl werden wird?

 

Während Mett Olsäter, die toughe Polizistin, ihrer körperlichen, lebensbedrohlichen Schwäche hilflos ausgesetzt ist.

 

Während Tom Stilton, ehemals ein motivierter Kriminalkommissar und ehemals ein aus der Welt verschwundener Obdachloser, seinem alten „Kunden“ Abbas versucht, zur Seite zu stehen. Jener Abbes, der als Messerkünstler damals im Zirkus aktiv war, der eine Liebe fürs Leben dort entdeckte, die unglücklich endete und den mit seinen Messers nichts aufhalten wird, in Marseille nach den Gründen für den Mord zu forschen.

 

Während der Zollbeamte Bengt Sahlmann sich erhängt und seine Tochter zurücklässt, die den Toten findet. Eine Tochter, mit der Olivia Rönning, gerade aus einer langen „Lebenspause“ (trotz ihrer jungen Jahre war dies nach den Ereignissen des Vorgängerbandes wichtig) vorrangig in Mexiko zurückgekehrt, in Kontakt gerät. Und ihr eigenes Trauma aus dem „Leib ihrer ermordeten Mutter geschnitten worden zu sein“ vorerst ein stückweit nach hinten schieben kann.

 

Intensive Personen sind es, welche das Autorenduo ebenso intensiv durch diese beiden, zunächst nicht miteinander in Verbindung stehenden, Fälle führt. Gebrochene Personen, einerseits, Ermittler aber auch, die nicht locker lassen, wenn sie einmal an einem Fall Blut gerochen haben.

 

Zunächst aus zwei Perspektiven (Stilton und Rönner, die sich neuerdings Riviera nennt), dann zusätzlich aus der Perspektive Abbas heraus bringen die Autoren ihre Geschichte gründlich und konzentriert voran.

 

Nicht immer mit höchstem Tempo und nicht immer mit ausreichendem Rückblick für solche Leser, die den ersten Band der Reihe nicht gelesen haben (was hier und da ein sehr konzentriertes Lesen erfordert und ebenso hier und da leicht verwirrt zurücklässt).

 

Aber überaus in sich stimmig und komplex entfalten sich mehr und mehr Hintergründe, die erschrecken, eine Gewalt, die auch den Hauptpersonen bedrohlich näher rücken wird und Zusammenhänge, die im Vorhinein kaum zu ahnen waren. Begleitet von einer von Beginn an (und bis zum Ende durchgehaltenen) dichten emotionalen Atmosphäre, die jede der beteiligten Personen dem Leser fühlbar nahe bringt und nahe hält. Was auch für die „andere Seite“ der Gegner gilt.

 

Mit einem packenden, dramatischen Finale und teils schockierenden, hartem Ende versehen bietet das Autorenduo wiederum einen komplexen und spannenden Thriller, der das Lesen überaus lohnt.


M.Lehmann-Pape 2014