btb 2016
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Cilla und Rolf Börjlind – Die Strömung

 

Dunkle Kräfte

 

Es ist ein „dunkles Kind“, welches tot aufgefunden werden. Adoptiert, farbig.

 

Und es ist völlig unklar, wer der Mörder sein könnte, wie in dieser kurzen Zeit, in der die Großmutter das Kind draußen unbeaufsichtigt ließ, ein solcher Mord geschehen kann.

 

Andererseits, auch in Schweden ist die Stimmung aufgeheizt, sind rechtsnationale Fronten ganz offensiv öffentlich auf dem Vormarsch, sind die Fronten gegen „Fremde“ verhärtet.

 

Dennoch, die Ermittler tappen im Dunklen, gehen es Schritt für Schritt an. Mette Olsäter, wieder auf den Beinen nach lebensgefährlicher Erkrankung, deutlich „geschrumpft“, die ihren Schutz vor allem über der jungen Ermittlerin Olivia ausbreitet, jene Polizistin, die mehr und mehr mitten hinein in jene Szene der harten Nationalisten, erkennbaren Rassisten und doch aalglatten und nicht wirklich zu fassenden „harten Männer“ gerät.

 

Während Mette zugleich Tom Stilton, den ehemals brillanten Kommissar, dann jahrelang Obdachlosen und sich nun wieder, aber nur langsam, fangenden Mann am Rande wieder mit einbindet.

 

Denn, wie so oft in Börjlind Romanen, die Ereignisse der Gegenwart fallen nicht vom Himmel, sondern haben Wurzeln in der Vergangenheit. Wurzeln, die Stilton näherkommen werden, als ihm lieb sein kann, zunächst durch einen alten Fall und später dann auch auf sehr persönlicher Ebene.

 

Während ein anderer Ermittler nicht ganz saubere Hände zu haben scheint, daraus wenig Hehl macht und alles in allem und in den Verbindungen unter- und miteinander sich subtil zu einer immer dichter werdenden Gefahr zusammenzeiht. Für andere Kinder mit „anderer Haut“, für hartnäckige Ermittler und für eigentlich fast unbeteiligte Dritte. Wobei sich vielfache Querverbindungen erst ganz zum Schluss hin zeigen- und auflösen werden.

 

Intensive Personen sind es wie gewohnt, welche das Autorenduo ebenso intensiv durch auch diesen brutalen, emotional nahegehenden Fall unter der aktuellen politischen Entwicklung in Schweden gehen lassen. Ermittler aber, die nicht lockerlassen.

 

Nicht immer mit höchstem Tempo und doch auch mit zunächst leichten Verwirrungen beim Leser, bis er die teils ähnlich, vor allem fremd klingenden, Namen zugeordnet hat und mit späterhin dann auch breiten Blicken in Seitenlinien des Falles und in die Vergangenheit.

 

Aber wie gewohnt in sich stimmig und komplex entfalten sich mehr und mehr Hintergründe, die erschrecken, eine rohe Gewalt, die sich rassistisch legitimiert und Zusammenhänge, die im Vorhinein kaum zu ahnen waren.

 

 

Eine anregende und in Teilen spannende, brisante Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2016