Berlinverlag 2015
Berlinverlag 2015

Connie Roters – Das Grab im Schnee

 

Differenzierte Charaktere

 

Die immer wieder zwischen die Ereignisse in der Gegenwart geschobenen, kurzen, assoziativen Eindrücke aus einer weiter zurück liegenden Vergangenheiten, bedeuten den Leser schon relativ früh in diesem Kriminalroman, dass die Motive für den zu ermittelnden Mord (und dieser wird nicht der einzige bleiben), in der Vergangenheit zu suchen sind.

 

In einem traumatisierenden Akt und einem traumatischen Erlebnis.

 

Wer aber hat das erlebt? Wer ist diese Figur, die damals, als heranwachsendes Kind einerseits so versagt hat, andererseits so schreckliches anschauen musste.

 

Einer der Akteure im modernen Show-Geschäft?

 

Zumindest bildet dies die einzige Spur für den völlig übernächtigten, kettenrauchenden (und hier am Wodka kräftig nippenden) Kommissar Breschnow mit seinem Team.

Und das, anders als bei gebrochenen Helden anderer Kriminal- oder. Thriller Autoren ohne jede Selbstzerfleischung. Die dreckige, kalt. Wirkende Wohnung,, der. Alkohol, das häufige Verschlafen morgens, wenn die anderen schon mit der Besprechung warten, das Kettenrauchen? Alles keine weiteren Fragen oder inneren Unsicherheiten wert, ebenso wenig, wie das Angebot an eine Außenstehende, die Ermittlungen zu ergänzen oder der Wunsch, ohne Durchsuchungsbeschluss dringend nachsehen zu wollen, was sich hinter der Wohungstür an Indizien verbergen mag.

 

Denn die Tote im Winter in dieser Laube in dieser Kleingartenanlage, ausgeblutet (aber nicht vor Ort) war Assistentin eines aufstrebenden Stars am Himmel der Showmaster. Und zugleich offen dessen Konkurrenten, dem etablierten Casting-Show-Moderator, gegenüber.

 

Lag vielleicht in diesem „doppelten“ Interesse ein Motiv für eine Tat aus Eifersucht? Oder wurde einfach privat zu weit gegangen, wie die Ehefrau eines der Moderatoren des Öfteren schon am eigenen Leib feststellen musste.

 

Allerdings, so richtige Spuren, eine wirklich zündende Idee hat noch keiner der Ermittler. Was dem Leser Gelegenheit gibt, dieser interessanten Gruppe von Beamten im einzelnen und in verschiedenen Konstellationen nachzugehen und näher kennen zulernen. Mitsamt einer weiteren Assistentin des Fernsehstudios, ehemals Journalistin und aus einem Vorgängerfall den Ermittlern noch gut bekannt. Wobei einer der Kriminalpolizisten sie vielleicht gerne noch näher kennen lernen würde.

 

So ergibt sich ein differenziertes Bild zwischen einerseits übe längere Zeit nicht wirklich vom Fleck kommenden Ermittlungen, die dem Leser teils arg lang vorkommen, und andererseits durchaus kurzweilige und lebendig wirkende Eindrücke der handelnden Personen, die für manch Länge der Ermittlungen entschädigen.

 

 

Düster wie das Wetter, privat mitgenommen, beruflich gefordert, Intrigen und doppelte Böden, alte Schuld und Ermittler, die den legalen Genussmitteln deutlich zusprechen, all das schafft eine interessante Melange von Stimmungen und emotionalen Zuständen, die den Leser bis zum Ende bei der Stange halten, auch wenn der Fall selbst nicht immer völlig überzeugend im Mittelpunkt des Interesses steht.

 

M.Lehmann-Pape 2015