Renumero 2012
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Dagmar Isabell Schmidbauer – Der Tote vom Oberhaus

 

Ein neuer Mord in Passau

 

.Kriminalhauptkommissar Schneidlinger, der „neue Chef“, richtet sich so langsam im Büro in Passau ein. Der Mord an einem Mann im Museum der „Veste Oberhausen“ in Passau gibt ihm Gelegenheit, seine für ihn neue Mannschaft auf Herz und Nieren zu testen. Ein Toter, der eine Menge an Fragen aufwirft und durchaus Geheimnisse mit sich getragen hat, wie sich herausstellen wird. Im Lauf der Ermittlungen. Die gar nicht so einfach sind, denn einiges an Ablenkung steht im Raum.

 

Kommissarin Franziska Steinbacher ergeht sich in erotischen Fantasien dem  Kunstmaler Walter Froschhammer gegenüber und ist gerade dabei, diese als Aktmodell alleine mit ihm im Raum wahr werden zu lassen, als das Handy klingelt und sie zum neuen Fall ruft.

 

Kommissar Hannes Hollmann ist konzentriert bei der Sache. Eigentlich. Wenn da nicht diese Stiche der Eifersucht wären (die er nie offen zugeben würde), denn Franziska hat es ihm einfach angetan (was er auch nicht offen zeigen würde).

 

Die Sekretärin Ramona lässt alte Lieben deftig neu aufleben, was sie in Beschlag nimmt.

 

Gut, dass der Rest des Teams voll konzentriert bei der Sache ist und vielfache wichtige Hinweise ermittelt, welche die Aufklärung des Falls deutlich voranbringen werden.

 

Aber auch gilt: je mehr sich die beiden Kriminalbeamten in den Fall hineinbegeben, desto intensiver wird ihre Konzentration gefesselt. Ein Mann, der mehrere Lebensgefährtinnen hat? Der ominösen Geschäften nachgeht, einerseits prunkt und andererseits im Sozialbau eine Wohnung betreibt? Ein Mann, welcher der Museumsdirektorin näher bekannt ist, als diese zunächst zugeben will und der eine ganz eigene Art der Sexualität lebt.

 

Hier lässt „Shades of Grey“ im Übrigen durchaus mehr als leicht grüßen. Auch wenn Schmidbauer in letzter Konsequenz die konkrete dominant-devote Form im Buch negativ bewertet, in den (sehr anregend geschilderten) Fantasien sowohl der Kommissarin Franziska wie auch im praktischen „Genießen“ diverser anderer Frauen im  Buch ist die Mischung zwischen Genuss und Schmerz, die „härtere“ Gangart der Erotik durchaus mit Lust versehen.

 

Weniger eindeutig ist zunächst der Verlauf der Ermittlungen. Viele Personen treten auf, vieles muss der Leser erst einmal für sich ordnen. Wer mit wem woher bekannt ist und wie das alles zusammenhängen könnte. In der Mischung zwischen bitterernsten Szenen (ein sehr trauriges Grab wird geöffnet werden) und eher auch ironischen Sequenzen, dauert es eine ganze Weile, bevor klarer wird, in welche Richtung die Ermittlungen gehen würden. Ermittlungen, die eine überraschende und dennoch folgerichtige Wendung in der Auflösung nehmen werden.

 

Ausgeprägte und gut vorstellbare Charaktere, ein logisch sich entwickelnder Fall (auch wenn einige Wendungen doch konstruiert wirken, einige Reaktionen von Personen im Buch eher künstlich anmuten und der „Beziehungsfokus“ hier und da unerklärlich „schwankt“) ergeben, zusammen mit der durchaus treffend beschriebenen „ Lokalatmosphäre“ einen unterhaltsamen und lesenswerten Kriminalroman, der die Erotik deutlich-deftig als ein wichtiges Element zum Verständnis der Geschehnisse mit aufnimmt.

 

M.Lehmann-Pape 2012