Renomero 2013
Renomero 2013

Dagmar Isabell Schmidbauer – Und dann kam das Wasser

 

Liebe, Flut und Mord

 

Das hinter all dem, was da geschieht und geschehen wird, ein grausames Handeln zu finden sein wird, darauf verweist zunächst der Prolog des Romans, der den Leser fast in Richtung altbekannter Serienmörder-Thriller führt, atmosphärisch zumindest.

 

Und das ist gut, im Hinterkopf zu halten, denn lange Zeit tappen die ermittelnden Beamten genauso, wie der Leser, ziemlich im Dunklen, treffender im „Nassen“, denn zu der Leiche, die sich in einem alten Ladenlokal findet, dringt auch die Flut unaufhaltsam in die Passauer Innenstadt ein.

 

So rapide, dass Oberkommissarin Franziska Steinbacher in den plötzlich aufschäumenden Fluten bereits innerlich mit dem Leben abgeschlossen hat. Und danach unter erschwerten Umständen (die männliche Leiche kann lange nicht geborgen werden aufgrund der Überschwemmung) diesem Fall energisch nachgeht.

 

Erschwerend tritt allerdings hinzu, dass gerade das aktuelle, wunderbare Erleben mit „ihrem“ Bühnenkünstler Walter (der eine unerschöpfliche Fantasie in Bezug auf ausgefallene, erotische Spiele besitzt) zur Zeit ruht. Walter hat einen Auftrag in Italien. Und statt mit ihm dort das Leben und die Sonne zu genießen, statt nicht am Rad zu drehen ob der attraktiven Italienerinnen, denen ihr Walter ausgesetzt ist, stapft sie durch Fluten und versucht, widerwillige rumänische Hausangestellte zum Sprechen zu bringen.

 

Unvermittelt stürzt zudem eine Frau aus dem achten Stock eines Geschäftshauses. Hat der Mann, aus dessen Büro die Frau sprang, etwas mit diesem Tod zu tun. Und, weiter noch, hängen vielleicht all diese Ereignisse zusammen?

 

Viele kleine Elemente legt Schmidbauer dem Leser vor Augen, die ein doch kräftiges Rätsel ergeben und erst ganz allmählich feine Verbindungen offenbaren. Gemischt mit einem herzhaften (und durchaus hier und da unverstellt und anregendem erotischen Blick) Blick auf das Privatleben ihrer Figuren, die zaghaften Annäherungen, die Dramen der Vergangenheit.

 

Nicht nur in Bezug auf die „Hauptfiguren“, Franziska und Hannes, gilt dies, auch das Umfeld jener „rumänischen Hilfskräfte“ die unter einer lange unnennbaren Bedrohung stehen, als auch andere Nebenfiguren werden treffend „mit Fleisch versehen“. Wie ebenso den „Oberst“ im Raum, der aufgrund einer ganz eigenen Haltung zur Liebe späterhin tatkräftig auf eigene Faust gravierend einschreiten will (und wird).

 

 Nicht zuletzt im Übrigen trifft dies auch auf den Ort der Handlungen, Passau, zu. Beschreibungen der Stadt, der Geschichte und andere Besonderheiten lässt Schmidbauer wie nebenbei gelungen mit einfließen.

 

Das sind Stärken der Darstellung, welche die Ereignisse für den Leser lebendig in den Raum treten lassen.

 

Dabei erzählt Schmidbauer eher in ruhigen Bahnen, das Tempo des Romans ist nicht allzu hoch, steigert sich aber, wie auch die Spannung und Gefahr, zum Ende hin deutlich.

 

 

Alles in allem ein gut zu lesender und abwechslungsreicher Kriminalroman, der eine lange Zeit den Leser in Fragen der Täterschaft im Unklaren und damit im eigenen Raten ob der Zusammenhänge lässt.

 

M.Lehmann-Pape 2014