rororo 2010
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Daniel Suarez – Daemon

 

Wer kontrolliert die Welt?

 

Wer kontrolliert die Welt? Gerade in der aktuellen Situation wird diese Frage mehr und mehr diskutiert. Kontrollieren die Politiker die Welt oder sind es einzig und allein die Konzerne mit Ihrer Finanz- und Wirtschaftsmacht? Die compuergetützt in sekundenschnelle durch Ihre Finanzmacht weltweit Einfluss nehmen können.

 

Mittels des Mediums Internet entwirft Daniel Suarez einen erschreckenden Blick auf die Möglichkeiten, heutzutage bereits mit unbegrenzten finanziellen Mitteln und dem notwendigen technischen Verständnis einen umfassend kontrollierenden Einfluss auf die Abläufe unserer hochtechnisierten und miteinander durch Vernetzung verflochtenen alltäglichen und wirtschaftlichen Abläufe zu nehmen, mit einem Satz: Die Welt zu kontrollieren.

 

Mathew Sobol, Computergenie und Online – Spiele Entwickler stirbt. Nicht aber ohne die künstliche Intelligenz seiner geniale Online Spiele so zu programmieren, dass diese über das Internet Zugriff auf Millionen von Rechnern weltweit nimmt und ein eigenes Netzwerk, den Daemon, installiert. Dieser verbreitet sich weltweit und übernimmt mehr und mehr die Kontrolle über zentrale Bereiche des zivilen, militärischen und wirtschaftlichen Lebens. Vermittels einer speziellen tragbaren Technik entsteht so für die zahlenmäßig immer größer werdenden Anhänger des Daemon eine, in der „wirklichen Welt“ nutzbare „Netzwelt“.

 

Wie sehr der Daemon in der Lage ist, das Leben der Gesellschaft und Einzelner zu manipulieren und wie umfassend Mathew Sobol sein „Leben nach dem Tod“ geplant hat, bekommen die Protagonisten aller Seiten des Buches schell am eigenen Leben zu spüren.

 

Sei es bei der versuchten Erstürmung des Hauses von Sobol, in dem der zentrale Server vermutet wird, sei es eine der Hauptpersonen, der Polizist Pete Sebeck, der sich von einer Sekunde auf die nächste als Hauptverdächtiger eines Massakers in Haft befindet, sei es John Ross, der einzige, der die umfassende Gefahr des Daemons sieht und miterleben muss, wie alle seine Versuche, dem Netzwerk Paroli zu bieten infiltriert und ausgeschaltet werden.

 

Auf den ersten Blick klingt vieles, was Suarez beschreibt und was somit technisch durch die Vernetzung der Welt möglich im Buch möglich ist, wie Science Fiction. Auf den zweiten Blick ist erkennbar, dass alles, was er beschreibt, tatsächlich jetzt schon auf der Basis kleinerer Erweiterungen und Fortentwicklungen technisch möglich ist und in abgespeckter Form durch Trojaner und Viren gegenwärtig mannigfaltig bereits passiert. Somit trifft der Klappentext des Buches nicht ganz zu. Das Buch ist kein reiner „Cyberthriller“, der in einer Net-Dimension spielt, das Buch ist ein Hinweis darauf, was jetzt schon in der Realität möglich wäre, wenn die technischen Voraussetzungen in eben dieser Form gebündelt genutzt werden würden. Dass durch den computergestützten Wertpapierhandel Aktien mit massiver Kaufkraft blitzschnell nach oben oder unten befördert werden können haben wir ja in den letzten Monaten leidvoll weltweit erlebt.

 

Die Figuren des Romans erhalten in der Geschichte durchaus ein eigenes Leben. Nicht alle Nebenfiguren sind vielschichtig angelegt, dennoch aber sind die Protagonisten klar erkennbar gezeichnet und in ihren Motiven und persönlichen Beweggründen nachvollziehbar beschrieben. Jede der Hauptfiguren und die wichtigsten Nebenfiguren sind zudem nicht glatt oder stereotyp gekennzeichnet, sondern durchaus mit widersprüchlichen Beweggründen und Brüchen versehen. Man sollte sich in seiner Bewertung der Figuren nie zu sicher sein und sich auch nicht zu sehr an die ein oder andere Person gewöhnen, Überraschungen bis zum Schluss des Buches bleiben nicht aus.

 

Stilistisches bringt Suarez geschickt zunächst unabhängig wirkende Geschehnisse in einen überzeugenden Zusammenhang und versteht es, eine Spannungskurve aufzubauen, die über den Schluss des Buches hinaus anhalten wird und auf die Fortsetzung gespannt macht. Durch die Beschreibung in kurzen, knapp gehaltenen Sätzen sind zudem die Action-Szenen hochspannend gestaltet.

 

Ein schlüssig geschriebener Thriller, der das Thema Terrorismus von einer ganz unerwarteten Seite her in den Blick nimmt, die Schattenseiten der modernen abhängig von Computern und Netzwerken aufzeigt und bis zur letzten Seite zu fesseln vermag.

 

M.Lehmann-Pape