Heyne 2015
Heyne 2015

David Baldacci – Am Limit

 

Einfach, klar, hart

 

Man fühlt sich schon nicht nur vage, sondern in gewissen Phasen des Buches sehr stark, an die Thriller um Jack Reacher von Lee Child erinnert. Auch wenn Child keinen aktiven Militärpolizisten die Hauptrolle spielen lässt, im Aufbau und in den klaren Konturen der (meist) ständig den Gegnern körperlich wie geistig überlegenen Hauptfigur, sowie im Aufbau der „Fälle“ finden sich viele Parallelen.

 

Auch im Stil ähneln sich die Autoren mit ihrem „Reacher“ und ihrem „Puller“ sehr.

 

Wer „Jack  Reacher“ mag, wird „John Puller“ mögen und umgekehrt.

 

Eine eher einfache Sprache, eine klar konturierte „Gegnerschaft“, Verbündete auf Zeit, die sich finden werden, eine beharrliche Ausdauer bei der Recherche, eine Härte im Zuschlagen gegen Gegner, die auch Kollateralschäden in Kauf nimmt und (in Teilen) Züge der Selbstjustiz trägt bilden in „Am Limit“ das Rückgrat der Geschichte. In einem kleinen Ort in Florida, sinnigerweise mit Namen „Paradise“.

 

Ein Name, der für das „Menschenmaterial“, das über den Wasserweg fast täglich eingeschleust wird, sicher nicht zutrifft. Moderne Sklaverei, das ist das Thema, dass sich vor den Augen des Leser mehr und mehr entfalten wird.

 

Wobei John Puller zunächst gar nicht deswegen den kleinen Ort im Urlaub bereist. Ein mysteriöser Brief seiner „Ziehmutter“, seiner Tante bringt ihn vor Ort. Doch seine Tante ist tot. Ein häuslicher Unfall, so scheint es. Und sie ist nicht die einzige Tote, die sich unter der meist älteren Bewohnerschaft des Ortes finden wird.

 

Das Puller umgehend auffällt, die örtliche Polizei ebenso aversiv auf ihn reagiert wie eine der örtlichen Gangs (die er beim „Freizeitvergnügen“ stört), das da ein merkwürdiger Wagen ist, der ihn von Beginn an im Ort zu verfolgen scheint, all das zeigt Puller, dass vor Ort einiges nicht mit rechten Dingen zugeht.

 

Und wer überhaupt ist jener Hüne von Mann mit Schuhgröße 51, der im Nebenzimmer des Motels wohnt und sich nur um sich selbst zu kümmern scheint, dass aber sehr zielgerichtet?

 

„Ein Bombenanschlag….. Morde am Strand. Gangs greifen Leute an. Und ich habe nicht die geringste Ahnung, was hier vor sich geht“, teilt der Chef der örtlichen Polizei mit. Doch da hat Puller schon einen langsam aufkeimenden Verdacht, was das sein könnte. Ein Verdacht, der ihn in höchste Gefahr bringen wird. Eine Gefahr, der er durch tropische Stürme auf dem Meer und mit der Waffe in der Hand entgegentreten werden muss.

 

„Puller schaute rasch nach den drei Männern. Sie atmeten noch. Das war nun mal der Preis, den man zahlte, ein Stück Scheiße zu sein, das andere Leute überfiel“.

 

Baldacci legt bei all dem ein hohes Tempo vor, wobei bedauerlicherweise bei der Auflösung so mancher Vorkommnisse Puller zum Ende hin plötzlich auf Informationen zugreift, die dem Leser bis dato unbekannt waren. Wer nun genau Freund oder Feind, Verbündeter oder Verräter sein wird, kann der Leser daher während der Lektüre nicht erahnen, auch wenn die Aufklärungen dann in sich schlüssig in den Raum treten.

 

Insgesamt eins actionreicher Thriller mit „klarer Kante“, der für gute Unterhaltung (allerdings der eher einfachen Art) sorgt.


M.Lehmann-Pape 2015