Heyne 2015
Heyne 2015

David Baldacci – Escape

 

John Puller in persönlicher Mission

 

Mit weiterhin starken Ähnlichkeiten zur Figur des „John Reacher“ von Lee Child führt Baldacci seinen Militärpolizisten (und Sohn eines der bekanntesten Generäle der US-Army), John Puller in, diesmal, sehr persönliche Ermittlungen.

 

Wobei eigentlich ja klar sein sollte, dass er nicht im mindesten von offizieller Seite her beauftragt werden dürfte, seinen Bruder zu suchen. Der aus dem Sicherheitstrakt von Fort Leavenworth in einer Art und Weise geflüchtet ist, die vielfache Fragen aufwirft.

 

Schon dass eine Trias hochrangiger Männer ihm sogar schriftlich die Freigabe für seine Ermittlungen erteilt, müsste John Puller somit eine eutliche Warnung sein.

 

Von dieser Leiche in seinem Motelzimmer mal ganz abgesehen, wie auch von den maskierten Männern, die ihn entführen und denen er nur mit Glück und einem unbekannten Beschützer entkommt.

 

Ihm zur Seite steht die attraktive Agentin Knox, mit der der zunächst mühselig, Schritt für Schritt, versucht, zu ergründen,wie sein Bruder überhaupt entkam, wer der Tote in der Zelle seines Bruders ist und was das mit den Ereignissen des Verratsprozesses vor zwei Jahren gegen seinen Bruder zu tun haben könnte.

 

Und immer, wenn Puller gerade meint, einen kleinen Schritt weiter gekommen zu sein, schließen sich Türen wieder. Für manche der Beteiligten für immer.

Eine Erfahrung, der auch Robert Puller nicht ausweichen kann, der, eingeschoben als zweite Perspektive des Romans, sich nicht untätig nur versteckt.

 

Wer aber sorgt dafür, dass „die andere Seite“ Puller immer um einen Schritt voraus zu sein scheint?

 

„Vertrauen sie Veronica Knox nicht, Puller. Sie ist nicht, was sie zu sein vorgibt“.

 

Aber Puller hat sich entschieden, der Frau zu vertrauen und muss nun sehen, dass er nicht zwischen alle Fronten gerät.

 

In klarer, einfacher Sprache, mit der Baldacci wie gewohnt das Tempo hoch hält, entfaltet er eine klassische Agentengeschichte mit, ebenfalls wie gewohnt, übersichtlich angelegten Charakteren, die den Leser weder in ihrer Handlungsweise noch ihrer Persönlichkeit vor komplexe Aufgaben stellt, aber gerade aufgrund der klar gerahmten und hier und da durchaus voraussehbaren Ereignisse spannend und gut unterhält. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


M.Lehmann-Pape 2015