Heyne 2013
Heyne 2013

David Baldacci – Zero Day

 

Hart und Spannend

 

Ein stückweit fühlt sich ein Lee-Child kundiger Leser doch an die vielfachen Thriller um die Figur des Jack Ryan erinnert, sobald man sich in diesen neuen Thriller um die neue Ermittlerfigur Baldaccis, John Puller, vertieft.

 

Auch wenn Baldacci seinem „John Puller“ durchaus eine andere Richtung als jenem „Jack Ryan“ mit auf den Weg gibt. Eine familiäre Einbettung, einen beruflichen Rahmen (Agent des CID) und einen Auftrag durch seine Vorgesetzten (Untersuchung eines Mordes an einem Oberst der Armee in Diensten des Geheimdienstes). Ein reiner „Streuner“ ist dieser Puller nicht, aber ein Hauch von Einsamkeit und Abgesondertsein umgibt ihn doch von Beginn an.

 

Wer als einige der erwähnten „Jack Ryan“ Romane gelesen hat, der wird sich in diesem flüssigen, temporeichen Thriller von Baldacci doch durch die gesamte erzeugte Atmosphäre  im Buch und um die Figuren herum an diese erinnert fühlen.

 

Die Klarheit und Härte der Hauptfigur, an der sich brutale Schläger im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausbeißen. Die überlegene Klugheit auf strategischem Gebiet, auch auf diesem ist ihm der Gegner letztlich nicht gewachsen.

Einer, der aus den Höllen des Krieges in Afghanistan und dem Irak kommt, einer, dessen Vater. „Durchhalte-Puller“, einer der höchstdekorierten Generäle der US-Army war, einer, dessen Bruder, ein Physikgenie, lebenslänglich wegen Hochverrat im Militärgefängnis sitzt.

 

So einer lässt sich kaum von den vermeintlich kleinen Ränken und Intrigen in Drake, einer gottvergessenen Kleinstadt in West-Virginia, beeindrucken. Eher von dem dort allgegenwärtigen Kohlenstaub oder vielleicht von dem  sehr aparten weiblichen Sheriff in Drake (attraktiv und Single, natürlich).

 

Wie und warum aber kann dort ein solch grausamer Mord stattfinden?

Eine ganze Familie niedergemetzelt, Nachbarn ermordet und zudem werden dies nicht die letzten Morde bleiben.

Geht es um Geschäftliches bei Roger Trent, dem Industriemagnaten der Kleinstadt? Oder um Geheimnisverrat beim toten Oberst? Oder um Drogengeschäfte?

 

Und warum wird jedes gewohnte Prozedere durchbrochen und Puller alleine als Ermittler vor Ort eingesetzt, wo doch in jedem anderen Falle bei einem solchen Verbrechen ganze Teams des CID samt technischer Unterstützung und rollenden Laboren vor Ort wären? Wieso mischt der Heimatschutz plötzlich so drängend mit?

Und was hat es auf sich mit dieser riesigen Betonkuppel im Wald, die fast schon überwuchert ist und an deren Stelle vor Jahrzenten eine geheime Forschungsstätte sich befand?

 

Nun, von Beginn an ist eines klar: der Gegner ist geübt, skrupellos und hinterlässt keine wirklichen  Spuren, weder lebende noch tote.

Und als Puller mit der Polizistin Samantha Cole doch ganz langsam ein wenig Licht ins Dunkle bringen, wird auch Puller umgehend einen Sprengsatz unter seinem Wagen finden.

 

Die Suche nach dem Hintergrund, die klare Sprache in Hauptsätzen, der schweigsame Puller, der trotz aller Härte auch ein Herz zeigen kann, die Atmosphäre ständiger Bedrohung, die bildkräftig geschilderten Action-Aequenzen und der fast spürbar über allem liegende Geruch von Kohle und Armut, David Baldacci hat einen souveränen und kernig erzählten Thriller konzipiert, in dem an entsprechenden Stellen weder lange gefackelt wird, noch Feind und Freund verschont werden. Was zu dramatisch überraschenden Momenten führen wird, später.

 

Die einzige Schwäche des Buches ist sicherlich die doch an den Haaren herbeigezogene „Lösung“ all der Vorgänge, die in der Motivation des „Bösewichtes“ ehrlich gesagt weder genauer erläutert wird, noch überzeugt, wie überhaupt der Schluss des Romans dann doch die bis dato vorherrschende relative Realitätstreue durchbricht.

 

 

Abgesehen von diesen „schwachen Beinen“ einer Verschwörung bietet Zero Day spannende Unterhaltung und einige Rätsel, die konzentriert bei der Sache halten.

 

M.Lehmann-Pape 2014