Heyne 2015
Heyne 2015

David Lagercrantz – Verschwörung

 

Frisch und spannend

 

 

Da entwickelt einer jahrelang komplexe Technik zur KI, schrieb Programme, baut ein Lebenswerk auf, gilt als einer der fähigsten Köpfe seiner Zeit, wird „gehackt“, verraten und bestohlen, macht weiter und dann, mit einem Druck auf „Return“……

 

Wobei Frans Balder diese seine wegweisende Entscheidung nicht allzu lange genießen oder bereuen werden wird, einiges tritt dazwischen an hinderlichen Ereignissen.

 

Damit ist allerdings nicht sein kleiner Sohn gemeint,

Autist, nicht gut behandelt von seinem Stiefvater, scheinbar ganz in sich versunken, ohne jedes Interesse oder irgendeine Kontaktmöglichkeit zur „Außenwelt“.

Bis August mit einem Blatt Papier und einem Stift etwas gestaltet, das über alle Maßen überraschend sein wird.

 

Und das sowohl die „normale“ Polizei als auch die SÄPO als auch gegnerische Kräfte als eben auch Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander miteinander in diesem Fall von Hightech, Datenklau, Diebstahl, Verschwörung und Mord miteinander verknüpfen wird.

 

Sehr stimmig, frisch im Stil, sehr flüssig und mit vielfachen Perspektivwechseln nimmt sich David Lagercrantz des Erbes von Stieg Larsson an.

Erkennbar anders einerseits, vor allem, was die Breite der Darstellung angeht (es braucht einiges an Zeit zu Beginn, die vielen Personen auseinanderhalten zu können und den häufigen Perspektivwechseln zu folgen), immer aber ebenso erkennbar im „Larsson-Universum“ verbleibend, was seine genaue Charakterisierung und sogar Verfeinerung und Vertiefung (nicht nur) der bekannten Figuren aus den ersten drei Bänden der „Millenium-Reihe“ angeht.

 

Es ist schon als gut gelungen zu bezeichnen, wenn auf den ersten 300 Seiten des Buches Blomkvist und Salander selbst eher nur am Rande bis selten in die Ereignisse eingreifen, eher „am Rande“ mitschwimmen, und dennoch von Lagercrantz durchgehend im Erleben des Lesers präsent gehalten werden.

 

Das es in diesem Thriller letztendlich es um ein altbekanntes Muster geht (Diebstahl, Mord, ein „merkwürdiger“ Zeuge, der nun für alle Seiten zum Objekt des Interesses wird, gepaart mit ein wenig High-Tech Andeutungen), ist sicherlich thematisch nicht als unbedingt großer Wurf zu bezeichnen, funktioniert aber als Geschichte hervorragend und ist in anregender, unterhaltsamer und spannender Weise bestens im Buch miteinander verflochten. Mitsamt der einen oder anderen Andeutung auf „höhere Ebenen“, die sicherlich noch Stoff für weitere Bände bereithalten werden.

 

Wobei Lagercrantz sich sowohl auf die „Kurzbeschreibung“ von Personen versteht („einer der wenigen gut ausgebildeten Schweden, der mit ganzem Herzen die amerikanischen Republikaner unterstützte (samt Tea Party), dabei intelligent und belesen“), wie er ebenso mit ausführlicheren Beschreibungen von Eigenschaften nicht langweilt und ebenso längere Erläuterungen (z.B. über Autismus und „Savants“) nicht als langatmig das Tempo verschleppen, sondern den Leser sehr gut über solche, für das Buch wichtige Details, informiert.

 

Ein guter Stil, zu dem sich jene innere Dynamik des differenzierten  „Gut gegen Böse“ gesellt, die Larssons Bücher zu Zeiten ebenfalls ausgezeichnet hat.

 

„Dass sich immer die falschen Leute schuldig fühlen. Diejenigen, die auf der Welt wirklich Leid verursachen, kümmert das nicht, aber wer für das Gute einsteht, den plagt das Gewissen“.

 

Ein Kerngedanke, den Lagercrantz in seiner geschickten „Doppelung“ Salanders anschaulich im Finale des Buches zu Ende führt. Ein Ende, das durchaus Lust auf weitere Bände dieser beiden besonderen Ermittlerfiguren macht.


M.Lehmann-Pape 2015