Heyne 2010
Heyne 2010

 

Dean Koontz – Blindwütig

 

Vernichtung

 

Das Verhältnis zwischen Kunstschaffenden und Kritikern ist nie ein ganz unbelastetes, selbst wenn die Kritik ein Kunstwerk, wie im neuesten Thriller von Dean Koontz ein Buch, überwiegend positiv aufnimmt. Verrisse schmerzen hundertfach, mehr, als es die restlichen, positiven Kritiken aufwiegen könnten.

 

Der Bruch der Freundschaft zwischen Martin Walser und Marcel Reich-Ranicki ist im wahren Leben des deutschen Literaturgeschehens ja bereits ein wahres, legendäres Geschehen.

 

Aus dieser Grundspannung zwischen Kritk und Autor heraus konzipiert Dean Koontz sein neuestes Werk. Lange Zeit (subjektiv zurecht) im ähnlichen Sujet deutlich hinter Stephen King angesiedelt, was Reputation und Verkaufszahlen anging, hat Koontz in den letzten Jahren zu einer deutlichen Reife in Sprache, Stil und Konzeption seiner Bücher gefunden. Eine Qualität, die auch „Blindwütig“ in sich birgt.

 

Ein Bestsellerautor, Cuby Greenwich, freut sich über die vielen positiven Rückmeldungen und Kritiken seines neuen Buches. Wenn da nicht der eine, der einflussreichste, der wichtigste aller Kritiker, Shearman Waxx, in seiner Einlassung zum Buch vernichtend geurteilt hätte. So vernichtend, dass Greenwich keine innere Ruhe mehr findet und die Begegnung mit dem Kritiker sucht. Eine Begegnung, die für Greenwich unbefriedigend verläuft. Nicht nur, weil eine Herrentoilette ein eher unpassender Rahmen für ein Gespräch unter Männern ist, auch, weil er außer Schweigen und einem Fluchwort keine Reaktion von Waxx erntet.

Zumindest nicht im Gespräch. Denn nach dem Gespräch ändert sich vieles in seinem Leben. Eine zunächst ungreifbare, den Raum füllende Bedrohung, tritt in sein Leben. Kleine Anzeichen zunächst. Ein verbranntes Familienfoto, weitere Anzeichen, dass jemand im Haus war, um das Haus herum sich aufhält bis hin zu einem nächtlichen Angriff mit einem Elektroschocker. Doch nun ahnt, weiß Greenwich, dass hinter all den Bedrohungen Waxx steckt. Der nicht aufhören wird, bis Greenwich und seine Familie genauso vernichtet sind, wie er deren Haus im Buch vernichtet.

 

Ein Flucht- und Versteckspiel beginnt, in dem Greenwich und die Seinen auf sich alleine gestellt sind. Waxx unterhält beste Beziehungen die den öffentlichen Stellen, Unterstützung von der Polizei ist für die gejagte Familie nicht zu erhalten. So wird Cubby Greenwich zum finalen Showdon gegen Sherman Waxx alleine antreten müssen.

 

Das Buch lebt lange Zeit von der Spannung des sich aufbauenden Konfliktes und des kreativen Katz- und Mausspiels der Kontrahenten, bevor Koontz zum Ende hin zum finalen Showdown ausholt.

 

In klaren, knappen und präzisen Sätzen, subtilen Andeutungen, aber auch direkter und bildreicher Sprache, gelingt es Dean Koontz durchaus, eine Spannungskurve aufzubauen und (weitgehend) zu halten. Sicherlich nicht im allzu realistischen Szenario, dennoch aber nah genug am Möglichen, um den vielen Wendungen des Buches Plausibilität einzuhauchen. So bietet er das Buch auf 430 anregende und ausnehmend gut erzählte Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2010

 

 

Zum Autor:

 

Dean Koontz wurde 1945 in Pennsylvania geboren und lebt heute mit
seiner Frau in Kalifornien. Seine zahlreichen Romane - Thriller und
Horrorromane - wurden in 38 Sprachen übersetzt und sämtlich zu intemationalen Bestsellern. Weltweit wurden bislang fast 400 Millionen
Exemplare seiner Bücher verkauft.

zuvor  im Heyne Hardcover erschienen :

"Meer der Finsternis."