Suhrkamp 2014
Suhrkamp 2014

Don Winslow – Vergeltung

 

Gradlinig, konsequent und hart

 

Wie eine Mischung zwischen Tom Clancy und „The Expendables“ (aber ohne die ironische Grundatmosphäre dieses und ähnlicher Filme) legt Don Winslow diesen Thriller vor.

 

Der Ex-Elitesoldat Dave Collins verliert bei einem Anschlag (den seine eigene Regierung vertuschen will, um endlich Sieg und Frieden im Krieg gegen den Terror vorgaukeln zu können) auf ein Flugzeug Frau und Kind. Und im Folgenden fast sich selbst von eigener Hand an eine saubere und geölte Kugel. Doch in letzter Sekunde erhält er entscheidende Informationen, dass dies ein Anschlag war und wer dahinter stecken könnte.

 

Da seine eigene Regierung ihn, den Mann, der treu gedient hat, der hundertfach getötet hat und in Gefahr war, lieber mundtot machen würde, als selber den Terroristen Aziz zu jagen, sammelt Collins Geld. Viel Geld. Und sammelt seinen alten Mentor mit dessen privater Söldnertruppe um sich herum.

 

Der Auftrag: Vergeltung. Die Art und Weise: Töten. Der Spielort: Die ganze Welt. Der Zeitrahmen: Schnell.

Denn Aziz plant einen verheerenden Anschlag, der hundertausende das Leben kosten würde.

 

Kompromisslos geht Dave Collins mit seiner Truppe seinen Weg.

 

„Er kann es in seinen Augen sehen: Al-Badri glaubt nicht, dass Dave wirklich abdrücken wird. Da kennt er mich aber schlecht, denkt Dave. Und drückt zweimal ab“.

Die explizite Schilderung des weiteren physischen Weges der Hirnmasse des Terroristen mag der Leser dann doch lieber selber nachlesen.

 

Selbstjustiz? Das ist bei aller Einfachheit der Sprache und aller martialischen Gradlinigkeit der Abfolgen im Buch die Frage, die Winslow durchaus zu bedenken gibt.

 

Was macht man, so man den Hintergrund, die Mittel, die Kontakte und den Willen hat, Morde nicht ungesühnt zu lassen, wenn die eigene Regierung aus „höheren Erwägungen“ heraus ihrerseits all das unter den Teppich kehrt? Akzeptieren und den Kopf senken oder für die Bestrafung selber sorgen?

 

Eine Frage, die im Buch durchaus gestellt wird, wenn auch nur am Rande, denn in erster Linie ist die ein beinharter Action-Thriller voller Helden und Schurken, surrender Kugeln, voller Recherche mittels modernster Technik. In eher einfacher und gerader Sprache gehalten, ist dies durchaus temporeich zu lesen.

 

Wobei es Winslow allerdings fast weniger interessiert, „wer“ seine Protagonisten genau sind, als mit „was“ sie schießen und ihre Feinde ausschalten. Nur schablonenhaft und eher stereotyp versieht Winslow das „Personal“ mit einem je eigenen Hintergrund. Wirklich nahe kommen einem weder die einen noch die anderen.

 

 

Temporeich und spannend erzählt, mit wenig Ablenkungen oder Nebenlinien geht Winslow den Ereignissen nach und sorgt damit für eine strikte Abfolge, die aber für wahre Begeisterung zu bekannt, zu stereotyp sich entfaltet. 

 

M.Lehmann-Pape 2014