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Dora Heldt – Wir sind die Guten

 

Verstecken und Tod auf Sylt

 

Und das fängt alles doch eigentlich ganz beschaulich Ende April zum Mai hin auf Sylt an.

Noch keine Saison, himmlische Ruhe. Und das Haus sauber wie nie. Charlotte und Inge haben sich eine Perle ergattert. Hinter dem Rücken von Heinz und Walter, ihren Männern. Die müssen ja nicht wissen, dass eine Putzfrau nun jene leidigen Arbeiten einmal die Woche übernimmt, von denen die beiden Ehefrauen sich gerne entlastet haben.

 

Und gerade der gestrenge Walter, ehemaliger Finanzbeamter mit 150prozentiger Korrektheit solle nun wirklich nicht wissen, dass seine Frau diese Sabine Schäfer natürlich schwarz bezahlt.

 

Wenn die junge Frau nicht plötzlich verschwunden wäre. Spurlos.

 

Wobei zeitgleich ein Mann vom „roten Kliff“ fällt.

 

Und bei all dem der neue Polizeichef, Runge, in den Augen des altgedienten Vorgängers und „unruhigen Ruheständlers“ Karl kaum zu ertragen ist. Vor allem, weil aufgrund der herzlichen Abneigung beider einander gegenüber seine täglichen „Informationsbesuche“ im alten Büro kaum mehr stattfinden können.

 

Und nun hat auch sein bester Freund Onno noch die Lebe gefunden. Eine späte Liebe. Zu Helga. Und Karl kann nicht ständig mehr für Stunden „auf einen Kaffee“ bei Onno sitzen. Was Karl überaus schlechte Laune bereitet. Und er diese auch zeigt.

 

Wie übrigens auch die Kinder Helgas, die wenig Verständnis für einen neuen Mann in Mutters Leben haben. Und auch Maren, Onnos Tochter und Polizistin unter dem neuen Chef Runge nun schon eine Weile, hat ein wenig zu knabbern an der neuen Situation.

 

Was damit zu tun haben könnte, dass die Sache mit ihrem aktuellen Partner einfach nicht so richtig im Lauf zu bleiben scheint.

 

So passt es eigentlich ganz gut, dass sowohl Maren mit dem Fall des Toten am Kliff mehr und mehr beschäftigt sein wird und Karl, ganz in seinem Element, sich mit „seinem Team“ (Eine „SOKO“ befreundeter Rentner) auf die Suche nach Sabine Schäfer macht.

 

Ohne zu ahnen, dass er damit in einen Fall hineingeraten wird, der einen alten Kollegen von ihm ein Leben lang bereits Sorgen bereitet und auch in der Gegenwart gefährliche ist.

 

Wobei der Fall selbst relativ gradlinig vonstattengeht, der Leser einen gewissen Vorsprung gegenüber den Ermittlern erhält durch den Einblick in ein (zunächst noch) anonymes Tagebuch, ungefähr ab der Mitte des Krimis aber bestens im Bilde ist (und sogar als erfahrener Leser noch eine wichtige Querverbindung zu den Motiven hinter all den Ereignissen in einem eher Nebensatz bereits entdeckt).

 

Doch das ist ja auch nicht die Hauptsache an diesem Roman, möglichst überraschende Wendungen zu erzeugen.

Im Mittelpunk stehen die Charaktere, vor allem jene älteren Jahrgangs. Wenn der ehemalige Steuerbeamte mit seinem Saunafreund so richtig „auf Jagd“ geht und jedes Fettnäpfchen betritt, das bereitliegt auf seinem „Kreuzzug gegen Schwarzarbeit“

 

Wenn Karl beileibe nicht nur sympathische Seiten hat, sondern der Leser von seinem Verhalten und der gewissen Rechthaberei und Sucht nach äußerer Anerkennung ebenso genervt wird, wie seine Freunde es zu Zeiten im Romane sind.

 

„Ich war mit Onno bei Karl, das war aber nicht so schön---Vielleicht kann Onno alleine mehr ausrichten“.

 

Wenn empathisch und ohne Kitsch das Thema der „Liebe im Alter“ und deren Komplikationen am Rande mitläuft und auch vielfaches Sylter Lokalkolorit nicht fehlt.

 

Anregend, in Ruhe zu lesen, Personen, mit denen man was anfassen kann, griffige Konstellationen, mit vielfachen Themen, die plastisch im Buch aufgenommen werden, Leute mit Dreck am Stecken und ein spannendes Finale, insgesamt ein ruhiger, schon geschriebener und die Beziehungen in den Mittelpunkt rückender Roman.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017