Droemer 2013
Droemer 2013

Douglas Preston, Lincoln Child – Fear

 

Abschluss der „Ehe-Trilogie“

 

In den letzten fünf Büchern um den charismatischen, leicht mythischen und ganz anders gelagerten FBI-Agenten Aloysius Pendergast, gegen den selbst Sherlock Holmes noch einen deutlichen Nachholbedarf an logischen Betrachtungen und dem Achten auf die feinsten Feinheiten hätte, waren durchweg die „inneren Familienverhältnisse“ des reichen, aus alter Familie stammenden, von Personal in herrschaftlichen Häusern und Wohnungen umsorgten und Rolls Royce fahrenden Agenten (der für sie symbolische Summe von einem Dollar pro Jahr seinen Dienst versieht, sich dafür aber herausnimmt, dieses auf seine ganz eigene Art und Weise zu tun) Thema der Ereignisse.

 

Drei Bände kreisten dabei um den Kampf gegen sein „böses Alter Ego“, seinen Bruder Diogenes, die letzten beiden Bände nahmen die dramatische und Pendergast an den Rand des Verstandes bringende Geschichte mit seiner Ehefrau Helen in den Blick. Helen, die, wie sich herausstellte, enge Verbindungen mit der Nazizeit und den genetischen Zwillingsexperimenten eines Dr. Mengele hatte. Nazis, die auch in der Gegenwart noch rührig sind. Helen, die bei einem Unfall vor 12 Jahren bereits ums Leben gekommen schien und wie durch ein Wunder wieder auftauchte. Helen, die am Ende des letzten Bandes (an den „Fear“ nahtlos anschließt) bei ihrem Wiedersehen mit Pendergast im Central Park entführt wird.

 

Auftakt zu einer einsamen Verfolgungsjagd mit dramatischem Ausgang, Eröffnung eines weiteren, belastenden und eigentlich unvorstellbaren Familiengeheimnisses. Und als wäre dies nicht belastend genug selbst für einen bis in die Tiefen kühlen Ermittler, der schon viel an fast „Zwischenweltlichem“ erlebt hat seit seinem ersten Auftritt in „Relic“, sind diese Geheimnisse seiner Frau Helen eng verbunden mit einem brutalen Serienmörder.

 

Der ebenfalls bereits seit Beginn der Pendergast Reihe gut bekannte Inspektor Vincent d´Agosto sieht sich hin- und hergerissen zwischen seiner Pflicht, ordentlich zu ermitteln, dem Versuch, Pendergast wieder inneres Leben einzuhauchen und dem Konflikt der Loyalität, Pendergasts Ermittlungsergebnisse nicht weitergeben zu sollen. Eine Gemengelage, die zur Eskalation führt und Pendergast zum Schluss alleine zur „Quelle des Bösen“ aufbrechen lässt.

 

Gewürzt wird auch dieser Band, wie alle Bücher um Pendergast herum, mit dem ein oder anderen Nebenstrang, bei dem Personen früherer Romane und engerer bis weiterer Verbindung mit Pendergast eigene Geschichten erhalten. Corrie, die angehende Polizistin, findet ihren Vater und versucht, diesen zu retten.

Constanze, das Mündel Pendergast, fasziniert ihren ehemaligen Arzt so sehr, dass dieser höchste Gefahr auf sich nimmt, das Rätsel um Constanzes Alter (Schwerpunkt eines früheren Romans) aufzuklären. Dies allerdings sind Einschübe, die mit der Hauptgeschichte der Nachforschungen durch Pendergast keine Verbindung im Buch erhalten.

 

Wie immer mit einer Prise gerade noch an einem Faden mit der Realität erklärbarer Ereignisse führen die Autoren nun auch diese engere „Familiengeschichte“ mit einem dramatischen und kriegerischen Finale zu Ende. Eine Geschichte, in der Perndergast auf einen Gegner treffen wird, der ihm, erstmalig, in fast allen Bereichen überlegen ist.

 

Das Ganze, ebenfalls wie immer, mit überraschenden Wendungen, fast unmöglichen Befreiungen aus tödlichen Gefahren (bei so manchem Kugelhagel in engen Räumen) und einer Standhaftigkeit bis zum Letzten.

 

Flüssig, gut und spannend zu lesen, wie alle Pendergast Romane, sei doch angemerkt, dass das „Familienthema“, die Verflechtungen mit der weiteren Vergangenheit und die ständige „Selbstbetroffenheit“ des Pendergast nun doch langsam zu einem Ende kommen sollten. Schön wäre in naher Zukunft wieder einmal einen Roman um den Special-Agent zu erleben, der sich durchgehender auf einen Fall konzentriert und nicht in elegischer Weise um das Innenleben des Mannes und seine familiären Verflechtungen herum kreist.

 

Solide und gut, spannend und überraschend als Abschluss letztlich von sechs Bänden der Familienkonflikte auf Thriller Niveau dann auch wirklich als Abschluss zu begrüßen.

 

M.Lehmann-Pape 2013