Droemer 2012
Droemer 2012

Pendergast aufs Neue

 

Unerschöpflich scheinen die Ideen des Autorenduos in Bezug auf ihre wohl bekannteste Figur, den FBI Agenten (der fast immer in eigener Mission zumindest mit unterwegs ist), Aloysius Pendergast, zu sein. Hat dieser in den letzten Bänden gerade die in epischer Breite dargestellte Gefährdung durch seinen Bruder Diogenes überstanden, findet er sich nun, zu Beginn dieses Auftaktes einer neuen Trilogie, Auge in Auge mit seinem Schwager Judson Esterhazy wieder. Und nicht nur mit diesem wird Pendergast eng aneinandergeraten.

 

Im Innersten zudem werden ihn die neuen Wendungen erschüttern, die zu Beginn dieses Buches in den Raum treten. 12 Jahre ist es her, dass seine geliebte Frau Helen einem vermeintlichen Jagdunglück zum Opfer fiel. Doch nun erfährt Pendergast eine brutale Wahrheit nach der anderen. Nicht nur, dass sein Schwager nicht das ist, was er scheint, vor allem tauchen berechtigte Zweifel am damaligen Tod seiner Frau auf. Was aber ist geschehen? Wie kann es sein, das Helen noch am Leben wäre, und sich all die Jahre so fern von ihm gehalten hat? Was hat es auf sich mit der im Dunkeln liegenden Herkunftsgeschichte seiner vielleicht nicht ganz so toten Frau? Eine Familiengeschichte, die Pendergast nie nachgefragt hatte, die aber Seite für Seite mehr in den Mittelpunkt der Ereignisse tritt. Oder war die Behauptung, Helen wäre am Leben, nur eine grausame Täuschung, um ihn zu quälen?

 

Und das alles, obwohl  das Buch, rasant und temporeich wie immer, mit einem Paukenschlag nach dem nächsten beginnt und nach den ersten 25 Seiten fast schon wieder hätte zu Ende sein können, in solche tödliche Bedrängnis gerät Pendergast. Und der Leser darf gespannt sein, ob und wie es ihm gelingt, hier noch einmal den Kopf aus der Schlinge bzw. aus dem Sumpfloch zu ziehen.

 

Ebenso wie Pendergast und sein Schwager tauchen eine ganz Reihe altbekannter Figuren aus dem Umfeld des FBI Agenten wieder auf. So wird die Geschichte von Constanze ein Stück weiter gesponnen und verbindet sich in gefährlicher Weise mit den neuen Ereignissen. D`Agosto findet seinen Platz in der Geschichte wieder, wie auch eine ganz alte Bekannte von Pendergast aus einem völlig anderen Fall. Auch neue Figuren werden die Autoren nicht müde, einzuführen, in diesem vorliegenden Band anhand eines Journalisten, der über eine Vielzahl von Ungereimtheiten in die Ereignisse um die Vergangenheit eintaucht. Eines aber zieht sich wie ein roter Faden auch durch diese vorliegenden gut 450 Seiten, wie es Pendergast Schwager Esterhazy konsequent auf den Punkt bringt: „Nichts, was Pendergast betrifft, ist sicher“. Und letztlich gilt ebenso, dass niemand um Pendergast herum sicher sein kann.

 

Wie gewohnt in hohem Tempo erzählen die Autoren auch ihren neuen Roman. Sicherlich doch immer in ähnlicher Art, der Wiedererkennungswert, auch sprachlich, ist hoch. Dennoch gilt, dass viele Wendungen im Buch nicht unbedingt vorhersehbar sind und immer wieder neue Ideen, neue Erzähllinien auftauchen. Hier und da ein wenig zu viele. Eine höhere Konzentration auf den eigentlich roten Faden würde dem Roman gut zu Gesichte stehen. Dies betrifft vor allem die Geschichte um Corrie, die doch ein im gesamten Buch eher in der Luft hängt (und dort verbleibt). Wirklich notwendig wäre dieser Erzählfaden nicht gewesen.

 

Alles in allem, trotz einiger Längen und einem fast zuviel an Erzähllinien, eine weitere, spannende und unterhaltsame Geschichte um Aloysius Pendergast mit rasantem Tempo und überraschenden Wendungen samt einem, wie so oft, geschickt konstruiertem Finale, das die Erwartungen auf den Folgeroman schürt.

 

M.Lehmann-Pape 2012