Hanser 2017
Hanser 2017

Eduard Mendoza – Das dunkle Ende des Laufstegs

 

Pointierte Sprache trifft interessantes Komplott

 

„Ich jogge für mein Leben gern!“

 

Ein Satz, den der ehemalige Damenfriseur (ganz bestimmt nicht von „Gottes Gnaden“) und gerade, wie er meint, von der Polizei aus der Irrenanstalt geholt wurde um einen „kleinen Fall“ zu lösen.

 

Was weitgehend alles auf einem Irrtum beruht. Oder, besser gesagt, auf einem perfiden Plan, dem armen Mann (und Hundehasser) einen Mord ans Bein zu binden. Der an einer ganz anderen Stelle in Barcelona geschieht. Aber geschickt gedeichselt passt der im Park einen Hund suchende Mann bestens in das Täterprofil.

 

Dass während der Zeit, in der er in der Anstalt einsaß, die (spanische) Welt wohl das Joggen entdeckt hat, kommt ihm letztlich sogar zu gute. Denn wer in farblich nicht mehr zu definierender Unterhose sich weitgehend laufend durch das Buch bewegt, der sorgt so nicht für allzu großes Aufsehen. Was ihm schon mal zu Gute kommt, als er nach seiner ersten Verhaftung der Polizei entkommen kann.

 

Da Barmittel ebenfalls während der ganzen Ereignisse fehlen und nicht nur die Polizei ihm auf den Fersen sein wird, wird somit viel gejoggt. Um den Spuren zu folgen, um zu bestimmten Ereignissen pünktlich an bestimmen Orten zu sein.

 

Bis dann irgendwann die Beine nicht mehr wollen, auch wenn der Geist noch willig wäre.

 

Da aber „AFMIDF“, eine Gruppe vermögender Verschwörer, die in dieser Nach-Franco Zeit ihr Scherflein wieder einmal ins Trockene bringen wollen, sich nicht in ihren finanziellen Betrügereien stören lassen wollen (und da mindestens bereits eine Person, ein Model, aus dem Weg geräumt wurde), ist dem Leser (und dem Friseur) klar, dass hier am Ende entweder der Fall geklärt und die Verantwortlichen dingfest gemacht werden, oder eben ein Friseur weniger auf der Welt sein Unwesen treiben kann.

 

Wenn dann auch noch der ermittelnde Kommissar, dem Friseur kein Unbekannter, sich mit dieser neuen, „liberalen“ Welt schwertut, den „alten Zeiten“ hinterher hängt, in denen einer wie er kaum Regeln zu beachten hatte und bei Verhören immer noch gerne nach der „Tötungsmaschine“ verlangt, zumindest aber Folter als Probates Mittel der Wahrheitsfindung erachtet, sollte der Unterhosenbewehrte Friseur sich zudem ziemlich sputen, die Dinge wieder ins Reine zu bringen.

 

Gut, dass es Unterstützung gibt. Vor allem In Person eines ehemaligen Polizeibeamten, der eine ganz neue Berufung für sich entdeckt hat, leider bei der Entwicklung eines „Künstlernamens“ nicht bedacht hat, dass „Westinghouse“ eine Kühlschrankmarke ist.

 

Aber das spielt dann in diesem skurril angelegten, mit durchgehend faszinierendem Humor und allerlei sehr einzigartigen Persönlichkeiten gefüllten Kriminalroman schon nur noch eine untergeordnete Rolle und ermöglicht „Fräulein Westinghouse“ durchaus auch (ernste) Tiraden auf das, was an „alten Strukturen“ die Diktatur locker überdauert hat und neue Gefahren in sich trägt.

 

 

Bestens aufgelegt legt Mendoza diesen schrägen Kriminalroman vor, mit feiner Sprache, hintersinnigem bis derben Humor, einer durchaus ernsten Bedrohung und einem hohen Tempo, dass es ein wahrere Genuss ist, diesem „Irren“ durch das damalige Barcelona zu folgen.

 

M.Lehmann-Pape 2017