C.Bertelsmann 2010
C.Bertelsmann 2010

Frederick Forsyth – Cobra

 

Kampf gegen das Drogenkartell

 

Seit Jahrzehnten beliefern die Kartelle Kolumbiens vor allem die Vereinigten Staaten, letztendlich aber die ganze Welt mit Drogen, vornehmlich Kokain.

Frederick Forsyth nutzt diese Tatsache zur Entfaltung seines neuesten Buches. Forsyth, der nicht nur Alt-, sondern vor allem auch Großmeister des politischen Thrillers ist und war, schwingt sich im Verlauf der knapp 400 Seiten zu gewohnt hoher Qualität auf.

So realistisch, als wäre es eine Dokumentation, kreiert er sei Szenario. Die alten Kartelle haben sich mehr und ehr aufgelöst und zersplittert, werden jedoch in Kolumbien von dem charismatischen, skrupellosen und grausamen Don Diego zu einem neuen Kartell zusammengeführt, dass größer ist und professioneller arbeitet als je ein Kartell zuvor.

Don Diego aber hat die Rechnung zunächst ohne den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gemacht und, vor allem, ohne "Cobra", Paul Deveraux. Als die Präsidentengattin erführt, dass der Enkel einer ihrer Angestellten durch Drogen zu Tode kam, nimmt der Präsident den Kampf gegen das Kartell persönlich in die Hand. Deveraux, aus der CIA aufgrund allzu großer Härte gegen jedweden Gegner entlassen, wird seine ausführende Hand.
Nachdem klar ist, wie hoch die Summen wirklich sind, die das Kartell durch den Umschlag von Drogen jährlich einstreicht und nachdem Deveraux sich einen Überblick verschafft und einen Plan entworfen hat, schreitet er mit Rückendeckung des Präsidenten zur Tat und dies, zunächst, mit großem Erfolg.

Bis dahin bietet Forsyth eine genaue Charakterisierung seiner handelnden Personen, auch wenn, wie bei ihm üblich, die Fronten zwischen Gut und Böse klar und eindeutig verlaufen, so finden sich auch in "Cobra" keineswegs eindimensionale Protagonisten. Ein vollständiger Held a la "James Bond", dass ist Forsyths Sache nie gewesen. Brüche, unsympathische Charaktereigenschaften, Unbeherrschtheiten, die Figuren von Forsyth sind, ebenso wie seine Szenarien, immer nah an der Realität. Gerade dies macht den besonderen Reiz auch dieses Buches aus. Dass es genauso sein könnte und dass die Bedrohung durch die zunehmende Überschwemmung der Welt mit Drogen absolut real im Raume steht.

Ebenso versteht es Forsyth immer noch, Spannung und Action greifbar in den Raum zu stellen, denn natürlich funktioniert der Plan, nach großen Anfangserfolgen gegen das Kartell, nicht einfach so und reibungslos, Gefahren ziehen am Horizont auf und Deveraux gerät mehr und mehr in eine lebensbedrohliche Situation, die bis zum Finale des Buches für gleichbleibend hohe Spannung sorgt (und für eine faustdicke Überraschung am Ende der Geschichte).

Beste Unterhaltung ist mit diesem ungemein realistisch wirkenden Szenario samt seiner überzeugenden Figuren und unverhofften Wendungen garantiert.

 

M.Lehmann-Pape 2010