Droemer 2011
Droemer 2011

Giles Blunt - Eismord

 

Spannender Thriller

 

Der Einstieg, den Giles Blunt für seinen neuen Thriller wählt, ist ein durchaus bekannter. Der „heimlich beobachtete Mord“, wobei Beobachten nicht ganz zutrifft, den Sam, Köchin, Indianerin und verliebt in einen verheirateten Mann, hört nur zwei Schüsse, als sie sich unter einem Bett in einem fremden Haus versteckt. Ein Bett, dass sie kurz zuvor noch mit ihrem Geliebten geteilt hat, der kurz vor ihr gegangen ist. Kaum hat sie noch einmal das Badzimmer des Hauses benutzt, hört sie Stimmen. Versteckt sich. Und bald darauf fallen zwei Schüsse. Sam flieht, den Mörder dicht im Nacken.

 

Detective John Cardinal versucht, den Tod seiner Frau zu überwinden und ahnt, dass ihm dies so schnell nicht gelingen wird. Zudem wurden unter den Detectives alte, ungelöste (und wohl auch nicht wirklich zu lösende Fälle) „von oben her“ verteilt. Nackte Routine. Auch dies keine Aufgabe, die ihn wirklich aus seinem Tief herausholen könnte. Da wird er zu einem Haus gerufen, in dem zwei kopflose Leichen, in teure Pelzmäntel gehüllt, gefunden wurden.

 

Nicht das letzte Verbrechen, das in den nächsten Tagen geschehen wird und all dies unter mysteriösen Begleitumständen. Denn was hat es zu bedeuten, dass die Köpfe der beiden Toten einige Zeit später an einem öffentlichen Ort gefunden werden? Ein Mord im Rahmen krummer Geschäfte? Ein Mord aus Leidenschaft?

 

Während Cardinal lange brauchen wird, um überhaupt einen Erfolg versprechenden Faden in diesem Fall in die Hand zu bekommen, lebt Sam in ständiger Angst, der Mörder käme ihr auf die Spur, während ihr Geliebter alles dafür tut, Sam von der Polizei fernzuhalten, damit seine Ehe und sein Job nicht in Gefahr geraten.

 

Klug gewählt hat Giles Blunt Geographie und „Personal“ seines Thrillers. Im tiefsten Winter in der Provinz hinter Toronto (Algonquin Bay), zu überschaubar als Ort und im Rahmen der Einwohnerschaft, um sich dauerhaft gut verstecken zu können, weitläufig genug, um die Zahl möglicher Verdächtiger hoch zu halten, ergibt sich ein Rahmen für den Thriller, der einerseits eine bedrängende Atmosphäre schafft und andererseits viele Varianten offen hält. Varianten, die Blunt geschickt für das ein oder andere überraschende Moment nutzt, seiner Geschichte hier und da eine neue Wendung zu geben.

 

Mit John Cardinal schickt er zudem einen Ermittler ins Rennen, der auch gegen die eigene Trauer anzugehen hat und zudem in seinen Kontakten zu Kollegen nicht einfach zu nehmen ist, einer, der sich stetig in einen Fall regelrecht hineinwühlt und durch diese Stetigkeit einen ruhenden Pol in dieser ansonsten durchaus temporeichen Geschichte bildet.

 

In klaren Sätzen und mit der Kunst versehen, die Protagonisten und die besondere Atmosphäre des eisigen Winters am Rande der kanadischen Zivilisation wie nebenbei zu skizzieren, stellt Blunt den Leser nicht vor literarische Rätsel, sondern konzentriert sich ganz darauf, seine Geschichte voranzubringen und ein immer größeres Geflecht möglicher Spuren und Indizien miteinander zu verbinden.

 

Gute Unterhaltung in klarer, eher einfacher Sprache bietet „Eismord“ mit seinen differenziert dargestellten Personen an einem Ort mit besonderer Atmosphäre und Bedingungen. Durchaus lesenswert.

 

M.Lehmann-Pape 2011