Knaus 2011
Knaus 2011

Gregor Weber - Feindberührung

 

Hervorragender Krimi eines Tatort Kommissars

 

Vor allem bekannt ist Gregor Weber aus dem Saarbrücker Tatort, in dem er den Hauptkommissar spielt. Zudem  steht er, was wohl weniger bekannt ist, im Rang eines Stabsunteroffiziers der Reserve.

 

Beide Elemente sind durchaus von Bedeutung für den nun ersten Kriminalroman, den Weber vorlegt. Denn einerseits erinnert der Stil des Buches durchaus an die strukturierte Form eines Films in klar abgegrenzten Kapiteln und einer ebenso klar erkennbaren Spannungskurve, zudem bietet Weber, wie in den Tatorten üblich, ein Ermittlerpaar auf. Inhaltlich siedelt Weber den Ursprung und die Quelle seines Kriminalfalles in der Bundeswehr an, genauer in der Person eines zum Krüppel gewordenen Fallschirmjägers, eine durchaus als „Elite“ zu kennzeichnende Truppe, innerhalb derer jener Lars Rems ein Vorzeigesoldat gewesen ist was Physis und Einsatzbereitschaft anging. Eine Intensität in der Person und der inneren Haltung, die Lars Rems auch nach dem Verlust beider Beine nicht verliert, die ihn aber nun, da er diese nicht mehr konstruktiv im Rahmen seiner „Berufung“ ausführen kann, zu einer Gefahr werden lassen. Selbst nach seiner Ermordung noch.

 

Hauptkommissar Grewe, ein überzeugter Familienmensch und dennoch nicht ab von der Welt und Kommissarin Therese Swoboda, Single, übernehmen die Ermittlungen. Einen besonderen Reiz dieser „Buddy“ Version macht aus, dass beide für die Reize des anderen durchaus empfänglich sind (aber zumindest Grewe dabei die Haltung zu bewahren weiß). Jene Szene, in der Therese doch einmal die Hüllen fallen lässt und die Luft plötzlich bei aller langjährigen Vertrautheit der beiden Ermittler zu flirren beginnt, mag durchaus als exemplarisch für den Stil und die emotionale Dichte gelten, die Weber in den Raum setzt. Wunderbar erotisch beschrieben ohne stillos zu werden, die innere Ebene beider ebenso offen legend wie ein genaue körperliche Beschreibung, Weber versteht es, den Leser quasi in den gleichen Raum hinein zu ziehen, in dem seine Protagonisten handeln.

 

Das ganze Buch ist dabei in hohem Tempo erzählt, ohne große Ecken und Kanten, legt dafür aber besonderen Wert auf die Hintergründe der Geschehnisse und der beteiligten Personen. Die Spuren, welche die Kampfeinsätze bei den Soldaten hinerlassen haben, vor allem die inneren Spuren, werden von Weber intensiv vor Augen geführt und bilden im Gesamten einen wichtigen Teil des Erklärungsmusters dessen, was geschieht (und das nicht nur in Bezug auf das Verhalten des Elitesoldaten Rems und seine Ermordung).

 

Wie überhaupt Weber von dem, worüber er schreibt, durchaus Kenntnisse nachweist. Nicht umsonst fließen sicherlich Hintergründe seiner eigenen Rolle als Hauptkommissar in die Figur Grewes ein, klar erkennbar ist, dass er in Tonfall und Umgangsformen, aber auch in den alltäglichen Abläufen die Bundeswehr von innen her aktuell gut einzuschätzen vermag. Auch gelingt es Weber, in der Aufklärung des Mordes durchaus überraschende Akzente zu setzen..

 

Mehr als solide legt Gregor Weber einen überzeugenden Kriminalroman vor, der, würde er verfilmt werden, zu einem „Tatort“ der besten Art sich entfalten würde. Nüchtern, sachlich und dennoch mit Intensität und emotionaler Tiefe der Figuren ein überzeugendes Buch.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Gregor Weber,

 

geboren 1968 in Saarbrücken, ist Schauspieler und vor allem als Hauptkommissar Stefan Deininger im „Tatort“ bekannt. Außerdem ist er Stabsunteroffizier der Reserve.  Er lebt mit seiner Frau Tanja Weber und zwei Kindern in einem Doppelautorenhaushalt in der Nähe von München.

 

(Quelle: Knaus Verlag)