Theiss 2012
Theiss 2012

Gudrun Weitbrecht (Hg.) – Tod unterm Weihnachtsbaum

 

Kurze und „Kürzestkrimis“ aus Schwaben

 

Mal etwas ausgeführter, mal nur über 2-3 Seiten und, vorweg gesagt, nicht alle Geschichten in gleicher Qualität (auch wenn keine der Kurzkriminalgeschichten wirklich tief abfällt), so stellen sich 19 Kurzkrimis „aus dem Ländle“ zur Weihnachtszeit aber ganz anders dar, als es die Harmonie und fast „Friedenspflicht“ dieser „heiligen Zeit“ eigentlich atmosphärisch in den Raum setzten will.

 

Durchgehend stehen Pläne im Mittelpunkt der Geschichte, die mit Rache und Mordgedanken zu tun haben, Pläne, die allerdings zu weiten Teilen in der ein oder anderen Form “nach hinten losgehen“.

Da will sich eine Frau doch noch einmal versöhnen nach einem Fehltritt ihres Mannes, ihre Kinder verraten ihr, was der Vater als Weihnachtsgeschenk gekauft hat und daraufhin gibt sie ihm unter dem Baum noch eine Chance. Kann er diese nutzen?

 

Ein anderer Ort, Heiligabend, eine Frau kämpft sich mit einem Jeep durch die winterlichen Schneeeinbruch mit einer heiklen Ladung im Kofferraum. Aber man muss sie doch verstehen, sie wollte nur frei werden von diesem kalten, einsamen Leben. Und es kommt doch ganz anders (eine Geschichte, die durchaus an Roald Dahl erinnert, wie andere im Buch auch, in Teilen auch an Stephen King, wenn nicht im Stil, dann in der Konzeption der Geschichte).

 

Ein Mann sucht den eleganten weg aus der Ehe und beauftrag ein „Serviceunternehmen“ in Bezug auf seine Frau. Liegt es an seinen wenigen Informationen oder am Unvermögen des Unternehmens, durchaus gibt es Tote, aber mehr, als geplant.

 

Die „gute Seele“ der Plätzchenbackerin im Dorf zur Weihnachtszeit, die in ihre Kekse interessante Substanzen zielgerichtet beimischt sollte aufpassen, dass sie nicht über das Ziel hinausschießt.

 

19 Geschichten, manche durchaus fantasiereich und spannend umgesetzt, hier und da mit sehr überraschenden Wendungen bilden die starken Seiten im Buch ab. Daneben finden sich allerdings auch sehr vorhersehbare kleine Geschichten, getragen von eher stereotypen Figuren. Auch diese bieten sich durchaus kurz und unterhaltsam dar und sind kein Grund, das Buch nicht zu lesen, ein Gefälle allerdings findet sich erkennbar in diesen 19 Geschichten. Wie der Leser in die „Verfolgung“ eines Mannes in Tübingen mit eingezogen wird, dass ist ganz ehrvorragend umgesetzt. Das allerdings der eigene Mann und beste Freundinnen nicht immer halten, was sie scheinen, das ist dann hier und da zu offenkundig im Buch umgestzt.

 

Alles in allem eine kurzweilige Unterhaltung der „anderen (Weihnachts-) Art“. Von überzeugend bis unterhaltsam, von spannend bis vorhersehbar, von einfacher Sprache bis zum ausgereiften Stil finden sich weitgehend lesenswerte Kurzgeschichten im Buch.

 

M. Lehmann-Pape 2012