Heyne 2013
Heyne 2013

Hans Koppel – Bedroht

 

Gradlinig, aber auch Vorhersehbar

 

Eine „fatale Affäre“ steht zum wiederholten Mal nun im Raum und ist Thema dieses Buches. Wobei einen der Eindruck nicht ganz loslässt, dass hier der damalige Film mit Michael Douglas und Glenn Close mehr als nur einen Impuls gesetzt hat.

 

Selbst die eindrucksvollste Szene des Films, die „Wiederkehr aus der Badewanne“ taucht, natürlich in deutlich veränderter Form, doch aber ähnlicher Struktur, im Buch mit auf.

Wobei Koppel im Gesamten die Rollen vertauscht. Nicht ein Mann ist hier das Opfer einer „stalkenden Frau“, sondern eine eher nur mittelmäßig attraktive Frau, Teil der Redaktion eines „bunten Blattes“, wird bei einem wesentlich jüngeren, sehr attraktiven Mann, schwach.

Mehrfach. Im Übrigen.

 

Eine Schwäche mit Folgen, denn der Junge Mann hat eine „Vergangenheit“. Ist durchaus auch „Opfer“ (wobei dies nur angedeutet wird durch Dritte im Buch). Das aber mit Erik nicht zu spaßen ist, dass zeigen schon die wenigen, nüchternen Zeilen des Prologs.

 

Und so nimmt dieser Thriller seinen vorhersehbaren Verlauf eigentlich schon, bevor Anna, zufriedene Ehefrau und Mutter einer Tochter, nachts an die Zimmertür Eriks im Hotel klopft.

 

In klarer und gradlinige Sprache erzählt Koppel dabei seine Geschichte, fügt durchaus in sich überraschende Wendungen ein (die aber auf dem Hintergrund von bekannten Werken zu „fatalen Affären“ eben nicht mehr sonderlich überraschend wirken) und geht, in Teilen, durchaus nachvollziehbar auf das innere Erleben seiner Protagonisten ein.

 

Ein simpel strukturierter Ehemann, der nur beim Kauf eines neuen Wagens echte Leidenschaft zeigt. Eine durchaus zugewandte Ehefrau, bei der der Leser mitverfolgen kann, wie auch der nachlassende Respekt vor dem eigenen Mann den attraktiven „Anderen“ so verheißungsvoll in den Raum stellt. Ein Liebhaber, der in sich gefährlich instabil ist (gut getroffen in Teilen von Koppel) und eine Mutter, die für ihre Tochter in die Bresche springen will (mit gefährlichen Folgen).

 

Mitsamt zudem einer wachsenden Bedrohung für ein Kind, die Koppel nicht intensiv genug ausführt. Allein in diesem Motiv schon wäre wesentlich mehr an Spannung und Beklemmung darstellbar gewesen.

 

So verbleibt alles in allem ein durchaus unterhaltsamer, stringent vor sich hin verlaufender Thriller, der in den Hauptzügen seiner Geschichte in dieser Form schon mehrfach verarbeitet wurde und daher wenig überraschendes oder tief spannendes bereit hält. Eine durchaus solide Unterhaltung „für nebenbei“, aber keine mitreißende andere Gestaltung des Motivs einer „fatalen Affäre“.

 

M.Lehmann-Pape 2013