Piper 2016
Piper 2016

Heinrich Steinfest – Das Leben und Sterben der Flugzeuge

 

Poetische Fantastik

 

Da findet diese Gruppe des „Goldenen Erwachens“ (die einem sehr, sehr ausgefallenen „Hobby“ mit teils tiefgreifenden Folgen nachgeht) im März eines Jahres ein Flugzeugwrack.

 

Akribisch zusammengesetzt, wie kann das so macht, wenn man die Unglücksursache sucht.

 

Wobei es ein gewisses Problem darstellt, dass dieses Flugzeug erst im Mai des darauffolgenden Jahres vom Radar verschwinden und nie gefunden werden wird.

 

Und das Ganze lagert in einer Halle im Keller (die auf den Bauplänen nicht verzeichnet ist) eines industriellen Multigenies. Der durch einen Unfall? Mord? Selbstmord? In seinem Auto zu Tode kam. Und dort nicht alleine saß. Und dessen Begleitung Teil der Gruppe mit dem „verwechselnden Hobby“ war.

 

Ein Fall, der Kommissar Blinds Interesse erweckt. Der zunächst nur seinem Chef einen Gefallen tun wollte, sich in einem CSU und SPD Büro wiederfinden wird und bei all dem nur mit Mühe den Hauch eines Überblicks erhält, worum es hier geht oder gehen könnte.

 

Ein Kommissar, der nicht gut schläft. Was Gründe hat. Wenn er aber schläft, träumt er, er sei ein Sperling. In Paris.

 

Quimp ist ein Spatz, ein Sperling. In Paris. Charmant, naseweis, klug, umsichtig. Einer, der sich Gedanken macht. Was schon eine Ausnahme zu sein scheint in der Schar der Spatzen von Paris.

Wobei, da gibt es „Menschenspatzen“. Ausgebildet. Nicht sonderlich glücklich immer mit ihrer geheimdienstlichen Nähe.

Und es gibt die „Sperks“. Eine ganz bestimmte Sorte von Spatzen. Krieger. Intelligent. Mit einer Rüstung, dessen Material die „Sperks “ selbst kreiert haben. Denen nun eine geheimnisvolle Gruppe auf der Spur ist.

Und nur einer hat das Wissen und den Mut, den langen Weg zur Warnung der „Sperks“ auf sich zu nehmen. Quimp. Der im Schlaf ständig davon träumt, ein „blinder“ Kommissar zu sein. Der Golf spielt. Und ansonsten einem interessanten Fall nachgeht.

 

Wobei, und das setzt Steinfest interessant und sehr anregend zu lesen in den Raum des Buches, sich beider „Ermittlungswege“ kreuzen werden. In lange nicht vorhersehbarer Weise.

 

Ruhig und sprachlich weit ausholend, mit bildkräftigen Formulierungen und einer erkennbaren Poesie über das Leben, das Fliegen, das „sich suchen“, über Fastfood und religiösen Hass, über Frauen als General und geheime Verschwörungen erzählt Steinfest seine Geschichte, die allein schon aufgrund seines Stils und seines Sprachrhythmus eine wahre Freude der Lektüre darstellt.

 

Dass die Realität nur bedingt greift, das Träume höheres Gewicht erhalten können, als nackte Fakten, dass beide Hauptdarsteller, die eigentlich nur einer sind, je auf ihre Weise die Dinge ganz anders angehen und dennoch zu ihrem Ziel gelangen werden, all das verbindet sich zu einem anregenden, unterhaltsamen, teils verzaubernden, teils auch spannenden Ganzen.

 

Alleine schon die Erkenntnisse, die sich aus den oft nächtlichen Vorhaben des „Goldenen Erwachens“ ergeben, spiegeln bereits in sehr treffender Weise die vielfachen Sackgassen, in die Menschen gelangen können und die Wege, Dinge zu „ver-rücken“, um neue Impulse, Bewegungen zu erzeugen. So zeigt das Buch nicht nur durch die Form, sondern auch durch konkrete Handlungen der Protagonisten auf, dass das Leben sich immer neu erfinden will, nicht starr an etwas festklammern sollte. Und dass es schwer ist, diese hintergründigen Impulse wahrzunehmen und aufzunehmen. Dann aber fängt es an „zu fließen“. Die Beziehungen, die Entwicklungen, die neuen Möglichkeiten.

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre in einem Krimi „der anderen Art“.

 

 

M.Lehmann-Pape 2016