btb 2012
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Helene Tursten – Im Schutz der Schatten

 

Irene Huss unter persönlicher Bedrohung

 

Ein Mann taumelt schreiend in einem nächtlich verlassenen Stadtgebiet brennend auf einen Hof. Er stirbt.

 

Ein Bekannter von Irene Huss und ihrem Mann Krister, jener Bekannte, von dem Krister vor Kurzem ein Restaurant erworben hat, verschwindet spurlos.

 

Als sich einer der Köche des Restaurants spontan Krister Auto ausleiht, wird er durch eine Autobombe schwer verletzt. War Krister das eigentliche Ziel des Anschlags?

 

Und mitten drin, sowohl nun persönlich betroffen als auch in die Ermittlungen involviert sucht Irene Huss nach den Hintergründen für die verschiedenen Taten. Hängen diese gar in irgendeiner Form zusammen? Jene Irene Huss, die inzwischen durchaus gereift ihr Familienleben genießt, das Aufwachsen ihrer Kinder begleitet, aber immer noch „Tempo und Abwechslung der Schreibtischarbeit vorzieht“. So wundert es nicht, dass sie bisher alle Beförderungsangebote abgelehnt hat. Schreibtischarbeit? Verwaltung? Und das, wo sie zudem noch unter leichter Dyslexie leidet, was dann jeder mitbekommen würde?

 

Schnell wird während der Ermittlungen durch Huss und ihr Team klar, dass ein Krieg unter rivalisierenden Motorradbanden sich ankündigt. Der Verbrannte war Mitglied des „Gothia MC“. Und ebenso schnell wird deutlich, dass keiner der Gang-Mitglieder reden wird, auch wenn sie selber in starker Gefahr stehen. Das aber hält Irene Huss nicht ab, ihre eigene Familie gerät ins Fadenkreuz der Gefahr, da wird sie nicht weichen.

 

Aber kann sie jedem Vertrauen? Informationen scheinen durch zu sickern. Aus ihrem Team? Oder aus den hinzukommenden Kollegen einer anderen Abteilung, bei denen vor allem die weibliche Polizistin Irene verdächtig erscheint.

 

Durchaus mit Tempo und Spannung treibt Helen Tursten die bedrohlichen Ereignisse voran. Wie gewohnt legt die Autorin dabei Wert auf eine chronologische und akribische Darstellung der Ermittlungsarbeit der Kommissarin. Indizien und Zeugenbefragungen, neue Spuren und Verbindungen ergeben mehr und mehr ein Gesamtbild der Hintergründe der Gewalttaten. Auf Action verzichtet Tursten in dieser Darstellungsweise aber keineswegs, auch blutige und rohe Gewalt kreuzen den Weg der Ermittlungen.

 

Dass hier und da so manches ein wenig unrealistisch wirkt (welche Kommissarin dürfte schon im Lauf der Ermittlungen ihren eigenen Mann informativ befragen) stört den Lauf des Thrillers wenig und ist der auch steigenden familiären Bedrohung geschuldet. Gut gelöst, ebenfalls wie gewohnt, ist die Darstellung der handelnden Figuren und die durchaus nicht unbedingt vorhersehbare Auflösung des Falles, bei der dann auch der Titel des Buches sich näher erläutert.

 

Alles in allem ein neuer, mit Tempo und realitätsnäher Ermittlungsarbeit versehener Thriller mit zunehmender Spannung um die Göteborger Kommissarin Irene Huss , die diesmal ihre Familie bedroht sind und hoch motiviert zu Werke geht. Versehen mit dem zudem hoch aktuellen Thema der überall zunehmenden,  organisierten Kriminalität durch bestens vernetzte Motorrad Gangs.

 

M.Lehmann-Pape 2012