EPV 2013
EPV 2013

Helmut Exner – Mörderische Harzreise

 

Lilly Höschen und die liebe Freundschaft

 

Da ist dieses Bild, das seit langer, langer Zeit im Treppenaufgang des herrschaftlichen alten Hauses hängt. Und dass in mysteriöser Weise sich  ab und an verändert. Ohne, dass jemand anders Hand angelegt hätte. Und dabei die Zukunft vorwegnimmt, zumindest, was merkwürdige Todesfälle angeht.

 

Und nun hat es sich wieder verändert und der Bewohner des Hauses, Ferdinand, enger Freund von Lilly Höschen weiß nicht, was genau denn nun passieren könnte.


Was er aber weiß ist, dass sein Neffe anreist. Mit dessen Frau und Schwiegermutter und das dies nur schwer zu ertragen sein wird . Was die arrogante Anspruchshaltung vor allem der Schwiegermutter angeht.

 

Dabei fühlt sich Ferdinand doch ausgesprochen wohl in seiner Ruhe und seinem Leben ganz für sich. Verständlich angesichts der Verwicklungen um seine eigene enge Familie damals, vor allem sein Bruder hat für einiges an Aufregung gesorgt. Aber auch er selbst wird Altlasten noch begegnen, die ihm gar nicht so bewusst waren.

 

Gut also, dass Lilly zu Besuch eilt. Um ihren Ferdinand zu unterstützen. Und gut, dass Lilly weder auf den Mund gefallen noch lebensunpraktisch noch alterssenil  daher lebt. Denn so ist sie in der Lage, so manchen arroganten Verwandten Kontra zu bieten und Ferdinand beizustehen, als es zum Zusammentreffen mit einem älteren Mann kommt, der in ganz besonderer Beziehung zu ihm steht. Ganz zu Schweigen von diesem überaus gefährlichen Menschen, der im Auftrag einer mexikanischen Drogenmafia vor der Haustür erscheinen wird. Und en auch erotischen Veränderungen und Interessenlagen, die sich herausbilden werden.

 

Was all diese Beteiligten miteinander zu tun haben? Helmut Exner erklärt es.

In überlegter Sprache mit durchaus (wie schon gewohnt) exotischen und originellen Protagonisten und internen Verwirrungen und Verwicklungen, samt einer alten Dame (Lilly) an der Spitze, die für alles burschikos eine Lösung findet. Neben diesem Hauptfade der Erzählung darf vor allem die Hintergrund Geschichte Stefans, jenes älteren Manes, der bei Ferdinand vor der Tür stehen wird, als sehr gelungen im Buch bezeichnet werden. Wie er sich als Vater für seinen Sohn in die Bresche wirft, wie er auch vor dem Einsatz von Messern gegen bedrängende, harte Mitmenschen zu Felde zieht, das zieht den Leser durchaus in den Bann.

 

Die „mexikanische“ Seite demgegenüber (nur knapp im Buch vorkommend) hätte nicht unbedingt sein müssen, um dieses neue Werk um Lilly Höschen herum unterhaltsam und anregend zu gestalten, dieser Teil der Geschichte wirkt eher wie ein Fremdkörper.

 

Alles andere aber, samt dem mysteriösen Bild, ist, wie gewohnt, gut erzählt, in den Personen auf den Punkt getroffen (auch wenn hier und da Tolpatschigkeiten einfach zu übertrieben wirken) und (auch das wie immer) eher unblutig, aber spannend zu lesen.

 

Wieder einmal ein gelungener Einblick in eine Harzer Welt voller Originale.

 

M.Lehmann-Pape 2013