emons 2014
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Henrike Spohr – Heilbronn 37 Grad

 

Schatten der Vergangenheit

 

Was ist das nur für ein leichtes Kratzen im Schlafzimmer, welches Paul immer wieder nachts aufschrecken lässt und das an mehreren Nächten hintereinander?

 

Selbst die Matratze hebt er an, doch nirgends kann er eine mögliche Ursache erkennen.

 

Doch dieses Kratzen und eine alte Katze werden durchaus ihre Rolle in diesem Kriminalroman spielen, im Übrigen ohne dabei eine wirklich „natürliche“ Erklärung zu finden. Was durchaus der Geschichte noch einen besonderen Reiz geben wird.

 

Wobei Paul an sich bereits  genug damit zu tun hat, seiner Tamara den Rücken zu stärken.

 

Tamara, Künstlerin.

Unter Hochdruck im Atelier am schaffen für ihre erste, große Vernissage.

 

Tamara, die junge Frau mit dem dramatischen, dunklen Fleck in ihrer Vergangenheit.

 

14 harte Tage musste sie einmal überstehen in der Hand eines Entführers und alle Kraft aufbringen, dieses Geschehen zu verwinden.

 

Doch wer ist nun in der Gegenwart dieser dunkel gekleidete Mann, der in letzter Zeit immer öfter in ihrem Blickfeld auftaucht. Der sich am Kiosk nach ihr erkundigt hat.

Steckt er hinter den offenen Fenstern ihres Ateliers, die Paul doch ganz sicher fest verschlossen hatte tags zuvor? Wird Tamara verfolgt, bedroht?

 

Ist Jo wieder da? Der Mensch, der sie damals in ihrer Gewalt hatte?

 

Andreas und Andrea kämpfen sich an anderer Stelle in Heilbronn durch das Leben und ihre Ehe.

 

Andreas, der kühle Mann, der es gerne hart mag, vor allem im Bett. Und Andrea, die alles für ihn tun würde. Die alarmiert ist über sein Verhalten, seine plötzlich vielen Termine.

Hat er eine andere?

Sie beginnt, zu suchen. In seiner Garderobe, in seinem Handy, in seinem Arbeitszimmer.

Irgendwas muss da sein, sie hat doch niemanden außer ihm, das kann er ihr doch nicht antun. Mühsam nur wahrt sie die Fassade, bringt ein Essen mit seinen Freunden hinter sich, spioniert ihm nach.

 

Wer drückt da wem die Luft ab? Der kühle Andreas oder die klammernde Andrea?

Und was hat das mit Tamara zu tun und ihren Bildern, ihrem neuen Leben als Malerin und ihrem alten Leben in der Jugend?

 

Sehr geschickt verwebt Spohr die Fäden dieses, auch sprachlich, atmosphärisch gut getroffenen  Kriminalromans. Vor allem ihr Hineingehen in ihre Figuren, ihre dichte und differenzierte Schilderung all dessen, was in den Personen vorgeht, bringen den Leser dabei immer wieder und mehr und mehr emotional nahe ans Geschehen.

 

Bis hin zu überaus überraschenden Auflösung der Hintergründe am Ende und der, sich zwar andeutenden, aber dann doch überraschenden Präsentation „des Täters“ von damals und heute. Eine Auflösung, die ihm nachhinein völlig logisch aus der psychologischen Verfassung der Personen her dann im Raum steht.

 

 

Ein fesselnder Regionalkrimi, der das Lesen lohnt.

 

M.Lehmann-Pape 2014