grafit 2011
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Horst Eckert – Schwarzer Schwan

 

Mörderische Hochfinanz

 

In die Welt der Hochfinanz nimmt Horst Eckert seine Leser in seinem neuesten Thriller mit. Hochrangige Banker, hochrangige Politiker, Finanztransaktionen, die jene dort oben noch reicher machen sollen, als das bisher schon der Fall war und wo man auf diesem Weg durchaus die ein oder andere Kursmanipulation an den Aktienmärkten geschickt vornimmt.

 

Eine Welt der Egozentrik, die in der Person des Lothar Mierscheid, CDU MdB, bestens fassbar im Buch entfaltet wird. Einer, der durchaus die Vorgänge durchschaut, einer, der sogar ein tiefes, persönliches Motiv hätte, dagegen zu halten (wird doch seine Jugendliebe Opfer eines Mordanschlages). Aber eben auch einer, der Angebote erhält, die man als Hinterbänkler nicht ausschlagen sollte, wenn man etwas vom großen Kuchen abhaben möchte.

 

Eine Welt auch, in der noch ganz andere sich als käuflich erweisen werden, auf die ein oder andere Weise. Die junge Bankerin Hanna versucht es ja. Sicher zunächst aus Trotz, sich mit dem, was sie weiß, an die Presse  zu wenden. Aber auch dort sind ganz eigene Interesse letztlich doch stärker im Raum, als die Lust an der Wahrheit. Zudem wird Hanna noch merken, dass auch sie familiär angreifbar ist.

 

Und mitten hinein in diese machtvolle Riege, die sehr viel Reibung zu erzeugen versteht, gerät unversehens und ungewollt ein junges Pärchen, die mit kleineren Diebstählen am Flughafen sein Salär aufbessern will. Nur dass Patrick, der männliche Teil des Paares, eines Tages einen Aktenkoffer entwendet, den er besser hätte stehen lassen, denn es dauert nicht lange, und Patrick wird ermordet aufgefunden. Zerrieben zwischen den harten Interessen von Geld und Macht.

 

Ereignisse in einer großen, fiktiven Bank in Düsseldorf, im politischen Berlin, auf offener Straße in Düsseldorf, die Dominik Roth auf den Plan rufen. Er selbst im Polizeidienst auf dem Abstellgleis, denn durch ein persönliches Unglück kann er kaum eine Waffe noch anfassen. Nebenbei, auch aus reiner Langeweile, übernimmt er im Stillen hier und da einen Auftrag eines Sicherheitsunternehmens, welches seinem besten Freund gehört, auch dieser ein ehemaliger Polizist. Im Zuge einer einfachen Beschattung stößt Dominik auf Hanna, das „Objekt“ der aktuellen Überwachung der Sicherheitsfirma und eine Frau, die bald im Fokus aller Ermittlungen und des Geschehens sich wiederfinden wird. Eine Frau, die auf Dominik durchaus ihren Reiz ausübt, so dass dieser nun auch aus ganz persönlichen Erwägungen sich „seitwärts“ in die Ermittlungen der beiden so verschiedenen Morde mit einbringt.

 

Ein Einbringen, dass Folgen haben wird. Privat und beruflich. Ein Einbringen, dass letztlich auch ihn, wie Hanna, ebenso vor die Wahl stellen wird, das kreisende Spiel der „hohen Herren“ einfach mitzuspielen, statt sich selbst mehr und mehr in Gefahr zu bringen.

 

Sehr realitätsnah entfaltet Eckert seine neue Geschichte, die, wie bei ihm gewohnt, auch und vor allem durch die intensiv gezeichneten Charaktere lebt und zu überzeugen versteht. Nicht nur Dominik und Hanna, bis in die „Nebenrollen“ hinein versteht es Eckert, die Figuren seines Romans überzeugend agieren zu lassen. Besonders gelungen ist dies im Blick auf die Figur des Politikers Mierscheid, in dem eine ganze, moderne Haltung des „nach vorne Wollens“ sich abbildet und deutlich wird, wie wenig Ethik, Werte, selbst echte, persönliche Betroffenheit daran noch etwas ändern könnten. Absprachen, Lobby, eigene Positionierung, dass sind die Eckpfeiler des Handelns, nicht so etwas Schnödes wie „Wahrheit“. Eine Haltung, die im Buch kulminiert in einer „internen“ Absprache der Kanzlerin mit der Hochfinanz, in der nur mehr Interessen austariert werden und nicht die wichtigen oder richtigen Wege im Sinne verbleiben.

 

Bis zuletzt spannend, intelligent konstruiert und überzeugend dargelegt bildet der „Schwarze Schwan“ (Symbol für „das Undenkbare, was nun eingetreten ist“) eine temporeiche und realitätsnahe Geschichte, die ihren Finger auf unangenehme und wunde Stellen des modernen politischen und finanziellen Lebens zu legen vermag.

 

M.Lehmann-Pape 2011