Manhattan 2014
Manhattan 2014

Ian Rankin – Schlafende Hunde

 

Überzeugend

 

Ein anregendes, aktuelles  Wiedersehen mit vertrauten alten Freunden, das bietet dieser neue Roman um John Rebus auf jeden Fall in bester Weise.

 

„Ich komm aus den Achtzigern, Peter – ich bin keiner von diesen neumodischen Supersensiblen“. Was Peter einerseits noch bedauern wird, was den Leser an vertrauter Atmosphäre des John Rebus das gesamt Buch über umfängt.


Was nicht zuletzt daran liegt, dass, neben dem aktuellen Fall, es gerade ein alter Fall ist, der weit in die Achtziger und in Rebus Anfänge als Kriminaler zurückreicht, durch welchen der Werdegang, die innere und äußere Prägung des John Rebus intensiv vor Augen geführt wird.

 

Ein Mann, den der Leser zu Beginn des Buches in privat unveränderter, aber beruflich anderer Situation und Position wiedertrifft.

 

Immer noch raucht und trinkt Rebus deutlich zu viel. Immer noch bewohnt er seine Wohnung, aus der Frau und Kind schon vor Urzeiten ausgezogen sind. Immer noch fährt er einen Saab. Immer noch lässt er sich selten in die Karten schauen und noch seltener von irgendjemandem egal welcher Seite beeindrucken. Rebus zieht seinen Weg.

 

Aber doch hat seine Position sich ein stückweit verändert.

 

Um weiter Polizist sein zu können (und das war knapp) hat er einer Degradierung zugestimmt. Seine alte Freundin Clarke ist nun seine Chefin. Ein Geschehen, das Rebus einfach auch aufgezeigt hat, wie sehr er seinen Beruf braucht und an ihm hängt. Ein Wissen, das wichtig werden wird im Blick auf die geforderte Loyalität zu seiner erste Truppe, den „Saints“ dieses kleinen Reviers damals, die ganz eigene Methoden bevorzugt hatten, um das Verbrechen in Edinburgh klein zu halten.

 

Schweigen für immer, eine polizeiliche „Omerta“ oder eine Besinnung auf das, was bei aller fehlenden Sensibilität für Rebus doch Grundpfeiler seiner inneren Haltung sind?

 

Zudem ist ihm Malcom Fox, der Ermittler gegen die damaligen Vorkommnisse um die „Saints“ herum nicht unsympathisch.

Auch bei diesem findet Rebus (was er nie offen zugeben würde), Haltungen und Werte, die ihn nachdenklich machen.

 

Soweit er für solche Gedanken überhaupt Zeit finden wird, denn auch aktuelle Todesfälle begleiten seinen Weg. Was alles mit einem eigentlich harmlos wirkenden Unfall auf einer einsamen Landstraße begann.

Ein junges Mädchen hat ihren Wagen um einen Baum gewickelt. Aber erste Ungereimtheiten lassen Clarke und Rebus stutzen. War ein anderer am Steuer? Und wenn ja, wer? Und wenn ja, warum?

 

Da zudem eine bekannter und erfolgreicher Wirtschaftsmanager familiär beteiligt ist, da der Minister für schottische Angelegenheiten Verbindungen zu diesem Unfall aufweist, der Leser kennt Rebus gut genug um zu wissen, dass dieser keine Ruhe geben wird, bis die Dinge geklärt sind. Auf seine Weise.

 

Während er auf der anderen Seite sich auch der eigenen Haut erwehren muss, denn ein ganz anderer Mord bringt ihn in erwähnter Konstellation seiner Vergangenheit mit dem Rücken zur Wand und in Front gegen seine ältesten Kameraden.

 

 

Atmosphärisch dicht, wie immer, die aktuelle Lage in Schottland (vor allem in der Frage der Abspaltung von Britannien)  im Hintergrund mitschwingen lassend und spannend und intelligent verzweigte und verzahnte Fälle, in deren Mittelpunkt Clarke, Fox und natürlich Rebus in bester Manier von Rankin gestellt werden, machen auch diesen neuen Thriller um John Rebus zu einem durchgehenden Lesevergnügen mit hoher Qualität. Mit einem leichten Hinweis darauf, dass Rebus sich irgendwann auch in Liebesdingen noch einmal anderweitig orientieren könnte.

 

M.Lehmann-Pape 2014