Aufbau Verlag 2015
Aufbau Verlag 2015

J.S.Carol – Fürchte Dich

 

Flüssig und in sich logisch

 

Da ist man am diskreten Orten. Wo die Schwergewichte der Branche sich treffen. Wo die „Götter und Göttinnen“ (auch ehemalige) Hollywoods dinieren. Und solche, die hoffen, in diesen Kreis vorpreschen zu können.

 

Bestes Essen, erlesene Atmosphäre, wenige Tische, ein Koch von Sterne-Qualität.

 

Vor allem aber keine Fenster, keine unerwünschten Blicke, keine lästigen Journalisten.

 

Während draußen, auf den Straßen der Stadt, die Medien unentwegt ihre Kreise ziehen, zynische Wetten auf Selbstmordversuche abschließen, versuchen, immer als erster vor Ort zu sein und alles, was geschieht, schnell zu kommentieren um ebenso schnell weiter ziehen zu können.

 

Für Innehalten, das Menschliche hinter all dem sehen, ist da keine Zeit. Und kein Interesse. Sex, Geld, Erfolg, bunte Bilder, Nachrichten, nur darum dreht das gesamte Leben sich in dieser Szene.

 

Dass hunderttausende junger Menschen „drum herum irren“, getrieben von vagen Hoffnungen, von der Hoffnung auf ein wenig Glück bei einem Casting, das ist Teil all dessen und keiner Erwähnung wert.

 

Nun aber steht da dieser Mann mit Maske. Mitten im exklusiven Restaurant. Schnellfeuerpistole. Sprenggürtel. Bereit zur Gewalt, ohne mit der Wimper zu zucken (was er an der Trägerin einer Rolex Uhr demonstrieren wird, „Sag Hallo zu Deinem Mann“).

 

Der die vermeintlich unantastbaren Promis sich entkleiden lässt, im direkten Sinne des Begriffes und im übertragenen Sinne. Denn da werden auch die Tiefen abgefragt, die Abgründe hinter den geschminkten und gestylten Fassaden auf den Tisch gelegt, bis der ein oder die andere innerlich zerbricht.

 

Natürlich erpresst der Täter Geld, aber seine Verwendung dieser Summe erstaunt dann doch alle Beteiligten. Natürlich will das FBI irgendwie die Situation lösen, hat dafür aber nur einen Action-Schauspieler im Restaurant zur Verfügung. Und ob da das Heldenbild der Leinwand der Realität standhält? Zunächst darf das tief bezweifelt werden.

 

Flüssig, temporeich, mit schnellen Szenenwechseln („Schnitten“) treibt Carol die Handlung voran. Wobei eigentlich nach dem Lesen des Prologs schon klar sein dürfte, worauf das alles am Ende hinauslaufen wird. Dennoch bieten die Ereignisse auch einige überraschende Wendungen, zudem scheut Carol nicht vor der expliziten Darstellung von Gewalt zurück, wie er auch, zumindest in Teilen, einen Blick für die Tiefen der handelnden Personen öffnet.

 

Was en Täter angeht verbleibt dies jedoch zu sehr in sattsam bekannten Klischees, die im Lauf des Thrillers deutlich weniger berühren, als die Geschichte einer der wesentlichen Hauptpersonen, der Medienberaterin „J.J.“, die lange nicht ahnen wird, welche tragende Rolle sie tatsächlich in all dem spielt.

 

 

Schnell, direkt, flüssig, insgesamt ein unterhaltsamer und, in Teilen, spannender und harter Thriller, der einen Blick auf die Scheinwelt Hollywoods eröffnet und mit dieser Scheinwelt geschickt seine Spiele treibt.

 

M.Lehmann-Pape 2016