Heyne 214
Heyne 214

James Lee Burke – Regengötter

 

Klarer und strikter Thriller

 

Sheriff Hackberry Holland ist ein harter Mann. Seine Erlebnisse aus dem Korea-Krieg belasten ihn bis ins Alter hinein, der Tod seiner zweiten Frau lässt ihn einen tiefen Hauch von Einsamkeit ausstrahlen.

 

Hackberry ist der Cousin von Billy Bob Holland, den regelmäßigen Lesern von Burke bereits seit Jahren bestens bekannt.

 

Alkoholsucht, intensive Bordellbesuche, ein gescheiterter Versuch einer politischen Karriere, all dies liegt hinter ihm.

 

Und nun lebt er abseits des kleinen Ortes nah der mexikanischen Grenze und hält Ordnung und Recht im Umfeld. Was sich als nicht einfach herausstellen wird.

 

Denn als er ein Massengrab junger bis jüngster Frauen entdeckt, deren Bäuche prall mit Heroin gefüllt sind, die mit einer alten Thompson Maschinenpistole dahin gemäht wurden und mit einem Bulldozer nur leicht verscharrt von ihm gefunden werden, ahnt er, dass hier nicht nur ein wahnsinniger Mörder am Werke war, sondern Größeres dahinter stehen wird.

 

Harte Männer sind es, die ihn herausfordern werden (und diese Frauen werden nicht die letzten Toten auf den nächsten gut 600 Seiten sein).

 

Der „Preacher“ allein schon, als sich tief religiös geprägt verstehenden, von Gott ausgewählter Nachfolger des Propheten Elia, würde gut und gerne als Gegner eine ganze Armee beschäftigen (was nicht nur ein Bundesagent sehr intensiv zu spüren bekommen wird).

 

Doch hinter dem Preacher stehen Mobster, die kein Mittel scheuen, sich zu bereichern.

 

Zusammen mit seinen Deputys, vor allem der gradlinigen Pam, macht sich Holland auf die Suche.

Nach den Zusammenhängen, den Hintermännern, dem Mörder und wird auf diesem Weg auch in Mündungen von Waffen schauen müssen, deren Projektilen er nur haarscharf entgeht. Bis zum letzten, großen Finale, irgendwo in der Einöde nahe Mexiko.

 

Gradlinig und klar erzählt Burke, doch einfach strukturiert sind dabei weder seine Geschichten noch seine Personen.

Differenziert, mit Licht und Schatten versehen, gehen die Protagonisten ihren Weg. Dabei spart Burke weder die dunklen Seiten seines Sheriffs aus, noch die „hellen“ Momente selbst des abgrundtiefsten Gegners.

 

Auch innere Wandlungen legt Burke in den Weg mancher halbseidener Figuren, die ihre Liebe zur Familie entdecken und dies über die bisherige Raffgier zu stellen vermögen.

 

Ebenso gelingt es Burke mit wenigen Bildern eine dichte Atmosphäre zu schaffen, so dass der Leser fast die sengende Sonne in staubiger Hitze spürt oder mit Spannung verfolgt, was denn zwischen Pam und Holland auf diesen beiden Stühlen vor der Ranch möglich sein könnte.

 

Die gleiche Pam mit ihren romantischen Gefühlen, die sich nicht scheuen wird, einem am Boden liegenden Killer mit einer doppelläufigen Schrotflinte den Garaus zu machen.

 

Allerdings, das sollte erwähnt werden, das Buch ist definitiv lang. In manchen Teilen einfach zu lang, in der Handlung zu gestreckt, trotz des komprimierten und eher kurzen Finales.

 

Es braucht einiges an Geduld, wenn Burke alle aufgenommenen Handlungsfäden um seine vielfachen Protagonisten herum teils fast stoisch zum Ende bringt. Hier wäre weniger tatsächlich mehr gewesen.

 

 

Spannend, klar, direkt, hart und mit differenzierten Personen in einer intelligenten Geschichte versehen bietet Burke insgesamt sehr gute Unterhaltung mit einigen Längen.

 

M.Lehmann-Pape 2014