Manhattan 2013
Manhattan 2013

Janet Evanovich – Küsse sich, wer kann

 

„Für Stephanie“

 

Die Großmutter von Morelli, einem der Geliebten Stephanie Plums, ihres Zeichen Kautionsdetektivin, hat ihren Blick auf Stephanie geworfen. Nicht irgendeinen Blick. Den „bösen Blick“. Kein Umgang für ihren Enkel, so findet sie, wäre die attraktive junge Frau, dass ist das eine. Das andere ist ihre grundlegende Abneigung gegen Stephanies Großmutter.

 

Ob nun der große Pickel und die unbändige Lust auf Männer damit zusammenhängen, kann man zunächst nicht so ganz genau sagen, auffällig aber wird es schon, dass erst aufgehört wird, wenn die „Lümmeltüten“ alle sind.

 

Dabei hat Stephanie eigentlich genügend mit all den flüchtigen Kleinkriminellen zu tun, denen sie hinter her ist, um die Kautionen zu retten und damit ihr Geld zu verdienen. Im bewährten Team mit Lulu, der übergewichtigen Ex-Prostituierten (aber wehe, einer wagt, das Wort „fett“ in den Mund zu nehmen, da gehen dann schon einmal Zehen in die ewigen Jagdgründe ein) geht es einem vermeintlichen Vampir, eine männerüberfahrenden Gattin und einem Räuber an den Kragen. Mit mehr oder minder schnellem Erfolg (und das nicht selten rein zufällig dann auch). Auch, was den Tanzbären Bruno angeht.

 

Zudem tauchen Leichen auf. Eine nach der anderen. Erst einmal auf dem Gelände des Büros der Kautionsdetektive. Morelli ermittelt schon, was er kann, ohne einen Schritt weiter zu kommen und auch der Sicherheitsexperte Ranger (im Übrigen, wie kann es anders sein, auch ein Geliebter Stephanies) tastet sich nur langsam vorwärts, was die Morde angeht.

 

Stephanies Mutter bügelt derweil. Häufig. Für den Kenner ein Zeichen, dass innere Unruhe herrscht ob der Ehelosigkeit der Tochter. Mit Dave, einem wunderbaren Hobby Koch und alten Bekannten aus der Nachbarschaft soll hier endlich Abhilfe geschaffen werden. Wenn nur Stephanie nicht so störrisch wäre.

 

Gewohnt respektlos in der Sprache, ironisch, teils mit knochentrockenem Humor und, vor allem, zäh und leicht chaotisch, so schickt Janet Evanovich ihre muntere Kautionsdetektivin („Kopfgeldjägerin“) mit diesem neuen Roman in das „nächste Rennen“. Wobei der Fall selber für den geübten Krimileser nicht unbedingt hohe Hürden mit sich bringt und spätestens ab der Mitte des Romans eine starke Ahnung in den Raum tritt, wer denn die späterhin auftauchenden Leichen mit einem freundlichen „Für Stephanie“ kennzeichnet.

 

Von komplexen Fällen aber leben diese Romane um Stephanie Plum auch gar  nicht, sondern in hohem Maße vom (auch hier wieder) sehr gelungenen Wortwitz, den überzeichneten und doch herrlich lebendig wirkenden Figuren und den vielfachen Verkettungen der Menschen in der Umgebung untereinander, oft schon seit Schulzeiten.

 

Wie schon in den Büchern zuvor bietet Janet Evanovich wieder einmal beste Unterhaltung mit gut gesetzten Pointen und wunderbarem Humor.

 

M.Lehmann-Pape 2013