Kiepenheuer und Witsch 2016
Kiepenheuer und Witsch 2016

Jean-Luc Bannalec – Bretonische Flut

 

In (teils zu) gewohnter Manier

 

Auch nach der Lektüre dieses Buches glaubt man gerne, dass der (weitgehend anonyme Autor) eine Kultserie geschaffen hat.

 

Immer noch und immer wieder starke Charaktere, Mitarbeiter mit Marotten, die tatsächlich immer noch lustig wirken (und nicht, so es ansteht, an harter und klarer Arbeit hindern), ein Kommissar, der seine eigenen Marotten (alles muss gleichzeitig passieren, Personennamen kann er sich einfach nicht merken und auf Schiffen bekommt er regelmäßig die große Flatter.

 

Und vor allem, über allem und in allem die Bretagne. Wobei einerseits Bannalec immer wieder neue Wendungen, neue Sprachbilder für die ihn umgebende Landschaft findet, dies aber inzwischen doch einen nicht zu knappen Raum im Roman einnimmt, so dass man sich stellenweise schon selbst energisch daran erinnern muss, dass dies kein Reiseführer (auch kein verkappter ist, bei den vielen Restaurants und Gerichten, die Bannalec beschreibt).

 

Wie vor bereits einiger Zeit lässt Bannalec auch die wichtigen Kernszenen und die ersten beiden Morde in Zusammenhang mit einer vorgelagerten Insel spielen. Der Legende nach jenes „Avalon“, das König Artus letzte Heimstätte wurde. Ein fast magischer Ort, an dem es kaum verwundert, dass da, wo genau sechs Gräber in Reihe liegen, Dupin ein siebtes meint, aus den Augenwinkeln gesehen zu haben. Ein ganz schlechtes Omen, was kurzfristig sogar Riwal die Sprache verschlägt.

 

Dass nebenbei Dupins Mutter strikt auf seiner Teilnahme an ihren hohen Geburtstagsfestlichkeiten besteht (in zwei Tagen und der Fall ist doch noch ganz frisch) macht die Sachlage zunächst genauso erschwert, wie die privaten Dinge, die Dupins Sekretärin / Assistentin entfernt halten.

 

Denn es dauert nicht lange, und ein breites Beziehungsgeflecht mit einigen möglichen Motiven, ein Umweltskandal, eine kritische Betrachtung der modernen Fischerei und der Brüsseler Einmischungen, all das ergibt eine Gemengelage, in der Nolwenn mit ihrem „Durchblick“ wichtig wäre (und werden wird).

 

Ansonsten lassen sich die Ermittler von jungen Frauen mit durchgeschnittenen Kehlen nun wirklich nicht den Appetit verderben und bieten damit dem Leser neben dem roten Faden der zunächst konfusen, später aber klarer werdenden Ermittlungen mit dem bei Bannalec bekannt überraschenden Ende, natürlich noch eine ausführliche Beschreibung „schönster Orte“, verschlungener Wanderpfade, sonderlicher bretonischer Charaktere und anregende Gaststätten.Bannelc,

 

Wobei die Ile de Sein und die Ile des Tristan eine hervorgehobene Rolle einnehmen werden, auch kulinarisch. Und die Sein mit ihrem düsteren Wahlspruch und der Nähe zu Gefahren samt der komplett schwarzen Tracht, die für die Insel steht, wird besondere Herausforderungen für Dupin bereit halten.

 

 

Mit hohem Wiedererkennungswert schreibt Bannelec und so langsam fühlt sich so manches nach Wiederholung an und nehmen die Beschreibungen von Orten und Landschaft doch erkennbar zu. Trotzdem auch dieser Roman beste Unterhaltung bietet, wäre bei Fortsetzungen zu wünschen, doch wieder deutlicher die jeweiligen Fälle zentral in den Vordergrund zu stellen.

 

M.Lehmann-Pape 2016