Kiepenheuer und Witsch 2014
Kiepenheuer und Witsch 2014

Jean-Luc Bannalec – Bretonisches Gold

 

Weiterhin hohe Qualität

 

Gemessen am Kult-Status des Autors und seines „Kommissars Dupin“ ist dies tatsächlich erst der dritte Band der Reihe, in der die Bretagne in ihrer vielfältigen Schönheit und ihrer legendenhaften Vergangenheit eine fast ebenso große Rolle spielt, wie die schillernde Persönlichkeit des Ermittlers.

 

Das Lieblingsgericht Dupins, Entrecote, in seinem Lieblingsrestaurant „L´Amiral“, verführt bereits ganze Scharen von Fans zu einem Abstecher in dieses Restaurant. Und, soviel sei verraten, das nächste Gericht im nächsten Restaurant wartet schon. Auf Dupin und den Leser.

 

Aber ob Dupin noch zu seiner Seezunge kommt? Wo er selbst die Verabredung mit Claire zu deren Geburtstag in Paris (wohl eher nicht wahrnehmen  wird können?

 

Eigentlich wollte sich Dupin ja nur die Füße vertreten. Raus nach fünf Aktenbearbeitung. Über die Grenzen seiner Zuständigkeit hinaus, klar. Reiner Gefallen für eine befreundete Journalistin. Mal in den Salzanlagen, in diesen Becken mit ihren Salzbergen, dem „Fleur de Mer“, dem „bretonischen Gold“ nach dem Rechten, nach möglichen Abfallfässern schauen.

 

Doch kaum kommt er an diesem entlegenen Winkel an, fallen Schüsse und nur mit Mühe rettet Dupin sich, nach einem Streifschuss, in eine kleine Wellblechhütte.

 

Als die Polizei eintrifft sind nur Patronenhülsen als Spuren zu finden. Keine Fässer mit Abfällen, keine Unregelmäßigkeiten in der glitzernd-weißen Landschaft. Zudem beharrt die attraktive Kommissarin darauf, dass Dupin auf „fremden Gebiet“ wandelt und gefälligst nach Hause zu hat.

 

„Natürlich würde Dupin jetzt nicht einfach nach Concarneau zurückfahren und Commissaire Rosse seinen Fall überlassen. Das war vollkommen ausgeschlossen“.

 

Und ganz klar wird dies, als sich herausstellt, dass die Journalistin spurlos verschwunden ist.

 

So werden sich die Kommissarin und der Kommissar zusammentun müssen, von höchster Stelle abgesegnet, und ihre (untereinander nicht immer reibungslosen Ermittlungen) auf je ihre Weise vorantreiben.

 

Wie schon gewohnt bietet Bannalec bis in die Nebenfiguren hinein liebevoll gezeichnete Protagonisten, vermeidet in deren Aufeinandertreffen kunstvoll einerseits jede Form der Persiflage und lässt doch andererseits den Leser immer wieder schmunzeln über da Reibereien und Animositäten der Personen.

 

Ebenso, wie die Bretagne bildkräftig und fast zum Schwärmen anregend immer wieder in ihrer Vielfalt von Bannalec mit einbezogen wird.

 

Wie in diesem neuen Fall der „Golfe de Morbihan“ wie nebenbei mit einfließt, das „Meer von Tränen“ der verschwundenen Elfen, das „Königreich des Müßigganges“, das ist sprachlich hervorragend vermittelt.

 

„Die Bretagne gibt es nicht, es gibt viele Bretagnen“.

 

Und Schritt für Schritt bietet Bannalec in seinen Romanen Eindrücke von Landschaft und Menschen, von Atmosphäre und Mentalität, die sich nahtlos einfügen in diesen ebenfalls hervorragend konzipierten Fall und die Ermittlungen mit den besonderen Methoden des Dupin.

 

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre einer Reihe, die zu Recht Kultstatus genießt.

 

M.Lehmann-Pape 2014