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Jean-Luc Bannalec – Bretonisches Leuchten

 

Nicht nur Kult, sondern auch gut

 

Immer wieder, auch in diesem sechsten Band Dupin-Reihe, gelingt es Bannalec, eine Ortschaft, eine umgrenzte Gegend der Bretagne mit ihren geographischen und sozialen Eigenheiten mit zu einer der „Personen“ im Geschehen zu gestalten.

 

Diesmal trifft der Leser Dupin und seine Lebensgefährtin Claire Lannoay in Tregastel-Plage an. An der „Cote de Granit Roses“, die Bannalec ebenso lebendig und intensiv zu beschreiben versteht, wie er Dupin allmählich in seinen neuen Fall eintauchen lässt und wie er, wie immer, eine ganze Reihe von Gerichten dem Leser schmackhaft vor Augen führt. Denn auch dies ist untrennbarer Teil von Dupin, die Liebe zum guten Essen, von der „schmackhaften Minipizza“ zum Salzwiesenlamm der Gegend bis zum (natürlich immer gekühlten) Rose-Wein.

 

„Es war atemberaubend schön. Surreal schön“.

 

Das Licht. Das Meer. Der Ort. Die Granitfelsen,

 

Was zu Beginn Dupins einzige Freuden zu sein scheinen, denn die vielfachen „Spaziergänge den Strand herauf und herunter kann man eher nicht dem Genuss, sondern der inneren Unruhe des geplagten Urlaubers Dupin zuordnen.

 

Man hat es ja schon die ganze Zeit geahnt, doch so klar, wie in diesem Fall war es noch nicht im Zentrum der Beschreibungen. Dass der Mann ein Workaholic ist, aus Not. Da ihn einfach nichts wirklich so sehr interessiert, wie das „sich vertiefen“ in einen Fall.

 

Schon in der kleinen Bu8chhandlung des Ortes muss er stark an sich halten, nicht eines seiner bevorzugten roten Notizbücher zu erstehen. Das wäre dann doch ein zu auffälliges Zeichen für Claire, dass der Mann nicht in der Lage ist, entspannt mit ihr auf dem sandgefluteten Handtuch am Strand seine Zeit zu verbringen.

Ob da der Wanderführer hilft, den er kauft? Oder ob Claire dann doch dazu neigen würde, die Meinung seines Arztes zu teilen, der ihm eine „Abspannung“ attestiert und gleich 14 Tage Urlaub nun im Raum stehen.

 

Bei der auch seine enge vertraute Assistentin Nolwenn gewichtig mitspielt. Denn alle ´beruflichen Kontakte hält sie von ihm fern und weigert sich, auch nur ein paar Minuten mit ihm am Telefon zu fachsimpeln.

 

„So hatte das Unglück seinen Lauf genommen und sie – jetzt hier – auf das große, fliederfarbene Handtuch gebracht“.

 

Gut, dass der kleine Ort eine gewisse „kriminelle Energie“ hat. Nicht nur, dass drei Sack Mehl gestohlen wurden vor einiger Zeit, auch eine Statue aus einer Kapelle ist seit zwei Tagen abgängig und ein Einbruch in das „Gustav-Eiffel-Haus“ liegt auch erst eine Woche zurück.

Wie der Hotelbetreiber zu erzählen weiß.

 

Man ahnt es, auch wenn Dupin zunächst nur mit halbem Ohr hinhört. Die Not der Unruhe und Langeweile wird dazu führen, dass der Inspektor die Fährte aufnimmt. Verborgen vor Claire natürlich, zunächst auf jeden Fall, was zu einer Reihe erheiternder Verwicklungen führt. Und immer mit dem Blick für die Besonderheiten der Landschaft, das eigentümlich „bretonische“, was auch Napoleon angeht und, ebenfalls wie immer, entfaltet sich ein ausgeklügelter Fall.

 

 

So ergibt sich im Gesamten wiederum ein bestechender Kriminalroman, der bestens zu unterhalten versteht und den Leser tief eintauchen lässt in die durchweg treffend und differenziert gezeichneten Figuren und in „La Finistere“, die Bretagne.

 

M.Lehmann-Pape 2017