S.Fischer 2012
S.Fischer 2012

Jens Lapidus – Lass Sie bluten

 

Rasanter Blick in Stockholms Unterwelt

 

Nun folgt der dritte Streich des Stockholmer Strafverteidigers und Buchautors Jens Lapidus. Eine Fortführung seines atmosphärisch dichten Blicks auf die Verhältnisse in Stockholms Unterwelt, die sich nun neu ordnen werden mitsamt einer Verlagerung der Schwerpunkte auf Protagonisten, die in den beiden vorhergehenden Bänden eher am Rand standen, nebenbei erwähnt wurde und zugleich einer Verlagerung anderen „Personals“ eher an den Rand.

 

Ein „fast“ geläuterter Gangster, der mit seinem neuen Café nicht recht glücklich wird und lieber „Oceans 11-13“ nachzuahmen gedenkt. Ein „Coup des Jahrhunderts“ soll ein für alle Mal den Durchbruch bringen.

 

Eine Tochter, die aus gegebenem Anlass ihrem Vater, Radovan Kranjic an die Spitze der Unterwelt nachzufolgen gedenkt (und dabei auf erbitterten Widerstand eines alten „Freundes“ trifft.

 

Ein Polizist mit durchaus heimlichen (wie er denkt) Vorlieben, der sich auf den Deal einer verdeckten Ermittlung einlässt. Was nicht immer zu seinem Besten sein wird, auch wenn er zarte Liebesbande dabei knüpfen wird.

 

Ein „Genie der Geldwäsche“, der im Gefängnis sitzt und sich dennoch an seinen Geschäften nicht hindern lassen will und wird. Auf ihn ist der verdeckte Ermittler Martin Hägerström angesetzt.

 

Beste Zutaten also für einen Reigen von Gefahren und Intrigen, von Kampf und verdecktem Krieg, ratternden Maschinengewehren und eleganten Betrug auf höchstem Niveau. Immer wieder werden Zufälle, Gegner, Konkurrenz untereinander und unbedachte Handlungen den Protagonisten ihre Wege schwer machen. So wird Mahmud, eine der zentralen Personen des vorhergehenden Thrillers sich quasi selbst lahmlegen, so wird Jorge, der Initiator des Hollywoodreifen Coups seine Achillesferse durchaus noch zu spüren bekommen, aber auch der smarte und durchsetzungsstarke Stefanovic wird lernen müssen, zarte, junge Frauen nicht zu unterschätzen.

 

Während bei all dem ein verdeckter Killer im Hintergrund seine Pläne kühl versucht, zu verwirklichen.

 

In seinem ganz eigenen Stil, der sich jeweils dem Hintergrund und der dargestellten Lebenswirklichkeit seiner Protagonisten anpasst, der von cool, hektisch und im Slang dann fließend überwechselt zu gediegen und professionell, lässt Lapidus dem Leser kaum je eine Atempause. Sicher sind so manche Rückblicke, die er in die Handlung einbaut, ein wenig langatmig und nicht unbedingt interessant geraten. Dennoch aber leitet Lapidus ein gutes Gespür für Gewinnen und Verlieren, Durchkreuzen von Plänen, überraschenden Wendungen und fassbaren und differenzierten Personen, mithilfe derer er eine realitätsnahe Atmosphäre der harten Art zu schaffen versteht. Bis hin zum Ende, in dem es für so einige der Beteiligten einiges einzustecken gilt, aber auch der ermittelnde Staat und die einbezogenen Polizisten nicht als reine Sieger da stehen werden.

 

Wieder einmal eine spannende und fesselnde Lektüre in, mittlerweile, aber auch sehr gewohnter und bekannter „Lapidus-Art“.

 

M.Lehmann-Pape 2012