Piper 2014
Piper 2014

Johan Theorin – Inselgrab

 

Sehr bedächtig erzählt

 

Und wieder geht es nach Öland, der schönen, schwedischen Insel.

Zum vierten Mal inzwischen siedelt Theorin eine  Geschichte auf diesem Eiland an, wiederum spielt der alte, gebrechliche, aber kluge und geistig voll auf der Höhe sich befindende Gerlof eine wichtige und zentrale Rolle in der Gegenwart des Romans.

 

Dem die Vergangenheit korrespondiert.

 

Als Kind war Gerlof hier und da als Helfer bei Beerdigungen beschäftigt.

 

An eine erinnert er sich bis zum heutigen Tag.

Als der Sarg noch einmal heraus geholt werden musste. Als es von innen klopfte.

Doch der gewichtige (in jeder Hinsicht) Tote Edvard Kloss ist auch bei der umgehenden Untersuchung des anwesenden Arztes weiterhin einfach nur eine Leiche.

 

Eine Leiche, der zu Lebzeiten eine ganze Scheunenwand auf den Kopf gefallen war und sein Leben beendet hat. Ein Tod, der seine Merkwürdigkeiten in sich trägt, die sich erst am Ende des Buches deutlicher offenbaren werden.

 

Wieder wird der Sarg in die Erde gebracht und wieder klopft es.

Was dem jungen Gerlof Schaudern über den Rücken jagt und die Brüder des Toten nervlich zum Äußersten anspannt. Schnell wird Erde über den Sarg geworfen, das Grab gefüllt.

 

70 Jahre später taucht ein „Geisterschiff“ vor der Küste Ölands auf. Fantasie oder Realität des kleinen Jungen, der dies als einziger gesehen hat, der die toten Matrosen an Deck vor Augen hatte?

 

Und Gäste gelangen auf die Insel, die Sommersaison beginnt.

Kein glücklicher Zeitpunkt, wie sich herausstellen soll, für die Gäste, die, einer nach dem anderen, an einer merkwürdigen Krankheit erkranken.

 

Unter diesen findet sich auch Aron. Ein alter Mann nun, den mit Gerolf eine Geschichte verbindet. Denn auch Aron war damals auf dem Friedhof.

Für Gerolf ein damals eher unbekannter „Junge am Rande“, der auch bald von der Insel verschwand, mit seinem Vater „in die Fremde“ ging.

 

Aber einer, der mit dem Toten und dem Geschehen eine Verbindung hatte. Die sich erst langsam im Lauf der Erzählung herauskristallisieren wird.

 

So ist alles bereitet für eine Geschichte mit mythischen Elementen (die bei Theorin durchaus immer wieder hier und da eine Rolle gespielt haben), einem Kriminalfall in der Gegenwart der Insel (was steckt hinter dem Geisterschiff und der Epidemie?) und eine breit angelegte Lebensgeschichte (des Aron) über 70 Jahre hinweg, bei der die Jugend bis in die Gegenwart hinein eine prägende Rolle gespielt hat und ein guter Teil der Zeitgeschichte in Verbindung mit dem stalinistischen Russland mit eingearbeitet werden.

 

Theorin allerdings, das muss man bedenken, erzählt sehr breit, auch diese Geschichte. Ein hohes Tempo liegt auch in diesem “Öland-Band“ nicht vor.

 

Vor allem die Darlegung der Personen, die Auslotung vieler Lebensfäden hätte doch deutlich kürzer, dafür aber prägnanter erzählt werden können.

 

Aufgrund der vielen Perspektivwechsel zwischen einerseits Personen der Gegenwart auf der Insel und andererseits der Lebensgeschichte Arons entsteht wenig wirkliche Spannung, erst am Ende des Buches, als die Fäden zusammenlaufen und klar wird, was damals geschehen ist und worauf das Klopfen aus dem Sarg verweisen sollte, erhöht sich das Tempo des Buches merklich.

 

 

Sprachlich bildkräftig, im Tempo sehr bedächtig und breit benötigt die Lektüre Geduld und verzeiht sicherlich auch das „Überblättern“ von hier und da einigen Seiten. Für Leser, die auf verzwickte Verhältnisse, breit angelegte Erzählungen mit einer gehörigen Portion Zeitgeschichte und ruhigen „Ermittlungen“ mehr Wert legen als auf temporeiche Spannung.

 

M.Lehmann-Pape 2014