Heyne 2017
Heyne 2017

John Grisham – Bestechung

 

Sehr gradlinig und, leider, sehr vorhersagbar erzählt

 

Wie gewohnt setzt Grisham auch seinen neusten Roman ein in die Welt des Rechts, samt der ebenfalls bei ihm fast klassisch zu nennenden Konstellation eines „Underdogs“ (hier eine nur mangelhaft und mit wenigen Rechten ausgestattete Kontrollbehörde gegenüber Richtern) und einer „Krake“ (einer weit verzweigten, gnadenlosen und mächtigen kriminellen Organisation).

 

Ebenfalls bekannt ist die gerade, schnörkellose Art Grishams, zu erzählen.

 

Was im Gesamten ein rundes Bild des Falles einer Ermittlung gegen eine als bestechlich bezeichnete Richterin angeht und auch den ein oder anderen Spannungsmoment einschließt (ein Autounfall, die Frage, wer die „Quelle“ ist, die Gefahren für einen Spitzel und fremde Männer, die sich scheinbar sehr entspannt in anderer Leute Häuser umsehen).

 

Und sicher ist es überraschend, wer das Ende des Romans nicht erleben wird und wer sich warum gegen die Richterin im Geheimen stellt.

 

Doch im Gros des Romans wirkt dieser fast dokumentarisch angelegt. Detaillierte Beschreibungen der dunklen Geschäfte, ein Blick auf undurchschaubare Verflechtungen im Indianerreservat und die akribische Begleitung der Ermittlungen führt doch zu einem eher langsamen Fortschreiten der Ereignisse. Auf deren Weg die ein oder andere durchaus wichtige Person (die man gerne länger begleitet hätte wie den „Chief“ oder Greg Myers) plötzlich nicht mehr vorkommt. Wie auch eine mögliche, beginnende Liebesgeschichte fast einfach so im Ungefähren verbleibt.

 

Lacy Stoltz, die Hauptperson des Romans, unterbezahlte Anwältin einer Behörde, die Richtern „auf die Finger schaut“, kann zunächst kaum glauben, was sie da erfährt.

 

Dass eine Richterin sei über 10 Jahren gegen eine fürstliche Bezahlung einer mafiaähnlichen Gruppe mit jedwedem genehmen Urteil zur Seite steht. Was Immobilien angeht, was aber auch einen armen Schluckers in die Todeszelle schon gebracht hat.

 

Wie nun sich der Fall entfaltet und Stoltz mit ihren Verbündeten Schritt für Schritt zum Kern der kriminellen Vereinigung vorstößt, das liest sich als roter Faden rund und gut. Wenn da nicht die erwähnten Längen, die etwas kühle Distanz zum Geschehen und zu den Personen hier und da doch störend auftreten würde. Da hilft es auch nicht, den Bruder der Anwältin ab und an einfliegen zu lassen (der Sinn dieser Figur erschließt sich an sich nicht ganz) oder teilzunehmen an den Überlegungen der tafffen Anwältin über ihre „biologische Uhr“.

 

Dennoch, wenn es zur Sache geht, erzählt Grisham dicht und spannend wie gewohnt und im Gesamten hilft der flüssige Stil des Autors ebenfalls über manch trockene Stelle hinweg.

 

 

Insgesamt ein solider Thriller, der aber nicht an verschiedene Highlights des Autors heranreicht.

 

M.Lehmann-Pape 2017