C.Bertelsmann 2012
C.Bertelsmann 2012

John Hart – Das eiserne Haus

 

Ungleiche Brüder mit harter Geschichte

 

Am „Iron Mountain“ liegt das „Iron House“. In der Gegenwart leerstehend, vom damals alten Leiter allerdings noch als Hausmeister betreut (und dieser wird noch eine Rolle spielen in der Geschichte, die John Hart erzählt). Damals, als das „Iron House“ noch ein Waisenhaus war. Der härteren Sorte und der härteren Gangart. Wie Michael und Julian, das ungleiche Brüderpaar, zu spüren bekamen. Michael, der immer schon härtere, an den sich niemand herantraute und Julian, der kleinere, sensible, welcher der Drangsal und der Folter durch andere Jugendliche ausgesetzt war und als Kind schon sich oft in eine innere Welt zurückzog, in der er fast verloren zu gehen drohte.

 

Und welch Unglück, genau an dem Tag, an dem beide adoptiert werden sollten, geschieht eine Gewalttat, die Michael auf seine Kappe nimmt. Er flieht und Julian wird alleine adoptiert. Seitdem, bis zu Gegenwart, verlief die Geschichte der Brüder getrennt. Michael fand Aufnahme bei einem der härtesten Gangster New Yorks, Julian in der reichen Familie eines Senators. Michael entwickelte sich zur „grauen Eminenz“, dem engsten Vertrauten des Gangsters, dem „Killer ohne Namen und Gesicht“, Julian entfaltete sein Talent für Geschichten und ist mittlerweile ein höchst erfolgreicher Kinderbuchautor, innerlich allerdings weiterhin höchst ungefestigt.

 

Jetzt, wo alles anders wird. Der väterliche Gönner Michaels stirbt, der Kampf der Unterwelt um seine Nachfolge entbrennt. Michael möchte nichts anderes als aussteigen. Doch die anderen wollen seinen Tod und greifen an seinen einzigen verwundbaren Stellen an, bei seinem Bruder. Und dann bei seiner Geliebten.

 

Doch nicht nur dieses Katz und Maus Spiel beherrscht die Seiten des Buches. Viele Personen tauchen zunächst unverbunden auf, von denen sich herausstellen wird, dass sie miteinander eine weit zurückreichende Geschichte teilen. Tote werden aus dem See auf dem Landgut des Senators gezogen. Auch deren Spuren reichen weit in die  Vergangenheit zurück. Findet sich in den aktuellen Ereignissen plötzlich eine Spur zu jenem Abend, als Michael als kleines Kind mit seinem gerade geborenen Bruder sich ausgesetzt an einem Bach wiederfand? Warum legte die Frau des Senators, Abigail, soviel wert darauf, diese beiden Kinder zu adoptieren? Fragen über Fragen als Teil eines harten Spiels um Macht und Einfluss, denen sich Michael stellt.

 

Aus verschiedenen Perspektiven der Gegenwart und Vergangenheit entfaltet John Hart in seinem neuen Thriller eine komplexe Geschichte, in der alles mit allem zusammenhängen wird, dies allerdings über weite Strecken des Buches kaum erklärlich scheint.

 

Dient der erste Teil des Buches der Platzierung der Figuren in der Geschichte und der Darstellung der entsprechenden Hintergründe (mit durchaus einigen Längen, die es zu überstehen gilt als Leser), nimmt der Thriller im zweiten Teil immens Fahrt auf, bietet einen hohen Grad an Spannung (und harter Gewalt), die John Hart unverblümt und gradlinig zu schildern versteht. Wie dann jeder mit jedem und alles mit allem zusammenhängt, das zeigt sich in düsterer Atmosphäre fast erst ganz zum Schluss des Buches.

 

Mit kleineren Abstrichen aufgrund einiger Längen, was den ersten Teil des Buches angeht, bietet „Das eiserne Haus“ anregende und späterhin auch hochspannende Unterhaltung mitsamt dem ein oder anderen Blick in horrende innere Abgründe menschlichen Seins. Durchaus empfehlenswert.

 

M.Lehmann-Pape 2012