Goldmann 2015
Goldmann 2015

John Matthews – Duell der Mörder

 

Treffende Atmosphäre, etwas behäbig erzählt

 

Joseph Argenti ist inzwischen Chef der New Yorker Mordkommission. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Gerichtsmediziner Finley Jameson hat er den „Ripper“ zur Strecke gebracht.

 

Aber zum einen sollte er seinem Rang entsprechend sich nicht mit den falschen Leuten in der Öffentlichkeit treffen, auch, wenn es zugunsten seiner Frau ist.

 

Und zum einen erschüttert eine Reihe von Todesfällen von „Mädchen aus gutem Haus“ langsam, aber sicher, die Öffentlichkeit. Wobei dieses Todesfälle ihre Zeit brauchen werden, bis Jameson erkennen wird, dass hier keine Erkrankung und keine Zufälle vorliegen.

 

Während, fast im Stil eines Films wie „Gangs of Amerika“ hinter den Kulissen die Pfründe der Geldeintreiber und der „harten Männer“ neu verteilt werden sollen.

 

Meint zumindest Enzio Maccione. Ein neuer, sehr strategisch intelligenter „Mitspieler“ im Geschäft der „dunklen Seite“ new Yorks.

 

So ergibt sich ein ruhig erzählter Thriller, der auf verschiedenen Ebenen seinen Erzählsträngen nachgeht und vor allem von seiner treffend dargestellten Atmosphäre und seinen überzeugend dargelegten Charakteren getragen wird.

 

Ermittlungen ohne Handy und Computer, ohne DNA Vergleiche und modernem Laborgerät, abhängig von den Intuitionen und den sorgfältigen Beobachtungen der Ermittler, all das ergibt eine ganz eigene, in der Lebensweise des New York Ende des 19. Jahrhunderts wunderbar eingepasste Atmosphäre.

 

 „Könnte es sein, dass dieser Mörder, der hinter Mädchen der feinen Gesellschaft her ist, plötzlich beschlossen hat, brutaler vorzugehen?“, vielleicht sogar den Ripper selbst nachzuahmen? Und ist es nur ein Mörder, den die Beamten verfolgen? Oder stecken noch andere, mörderische Absichten hinter all den Ereignissen auf den verschiedenen Ebenen der Geschichte? Offene Fragen, denen Matthews

 

Allerdings, wo auf der einen Seite die ruhige und sprachlich elegante Erzählweise den Gegebenheiten und Personen sehr angemessen sich darstellt, finden sich auf der anderen Seite Phasen im Buch, in denen ein wenig mehr an Tempo wünschenswert gewesen wäre. Ab und an behäbig treiben die Ermittlungen vor sich hin und stellen die Geduld des Lesers auf eine gewisse Probe,

 

 

Dennoch, alles in allem, sowohl, was die Mordmethode angeht, was die handelnden Personen betrifft und, natürlich, die Frage, wer denn nun der Mörder ist und was diesen antreibt, bietet der Thriller anregende Unterhaltung in ganz eigenem Stil.    

 

M.Lehmann-Pape 2015