Heyne 2012
Heyne 2012

Jonas Hartmann - Südstern

 

Thriller mit überzeugender Atmosphäre

 

Die Geschichte selbst ist nicht unbedingt neu, die Jonas Hartmann in seinem ersten Thriller auf den Weg schickt.

 

Dunkle Geschäfte, Drogendeals, verdeckte Ermittler und natürlich dann das, was bei solchen Sachen daneben gehen kann. Das der ein oder andere verdeckt  arbeitende Polizist auffliegt, das es Verräter geben könnte in den eigenen reihen, dass der ein oder andere den Boden unter den Füßen zu verlieren droht. Was den Job angeht, aber auch, was das Privatleben angeht.

 

Wobei in diesem Buch so manches gleich in doppelter Ausführung kommt. Zwei verdeckt arbeitende Ermittler, beide mehr und mehr mit Problemen behaftet. Was die eigentlichen Protagonisten des Buches auf den Plan ruft.

 

Einerseits Erkan und Paul, in Berlin aufgewachsen, seit ihrer Jugendzeit miteinander befreundet, mit dem Milieu bestens vertraut. Aber (noch) als einfache Zivilstreife unterwegs. Und daneben Erkans Bruder Murat, der Beschützer in der Kindheit. Der, der rasch Karreire im Polizeidienst gemacht hat und nun als stellvertretender Leiter einer SoKo aus LKA und BKA nach Berlin zurückkehrt, denn einer der beiden verdeckten Ermittler wurde von ihm geführt und ist, nebenbei, sein Freund.

 

Professionell geht die SoKo vor, plant, versucht an die Hintermänner heranzukommen, versucht überhaupt erstmal, Kontakt zu bekommen mit den eigenen Ermittlern. Vor Ort in Berlin, weil es einen Mord gab, am helllichten Tag in einem voll besetzen Restaurant.

 

Weniger professionell, aber überaus leidenschaftlich mischen sich Erkan und Paul in die Ermittlungen hinein. Auch sie wollen sich Erfolge auf die Fahnen schrieben können, auch sie wollen Murat zeigen, dass sie „was drauf haben“.  Haben sie auch, aber keiner will es so recht merken, zunächst. Und zudem, zumindest Paul muss da auch einiges in seinem Privatleben auch richten. Mit zunächst deutlich weniger Erfolg als bei seinen Ermittlungen.

 

So entsteht ein komplexes Geflecht aus verschiedenen Handlungs- und Ermittlungssträngen, die gerade zu Beginn eher gegeneinander laufen als sich miteinander zu verbinden. Nicht unbedingt neu im Plot und den zunächst eher für sich hin arbeitenden Protagonisten.

 

Wohl aber versteht es Jonas Hartmann, seine Geschichte mit Tempo und, vor allem, Atmosphäre auf den Weg zu schicken. Berlin ist hervorragend getroffen, seine Personen sind durchaus realistisch charakterisiert und dabei nicht eindimensional angelegt. Fehler und Schwächen stehen im Raum, milieugerechte Prägungen und die alltäglichen Versuche, das eigene Leben gut auf die Reihe zu bekommen (und doch manches Mal einfach daran zu scheitern).

 

So liest sich der Thriller flott und durchaus mit Spannung, bietet einen interessanten Blick auf die Berliner „Szene“ und wartet mit durchaus überzeugenden Protagonisten auf. Alles in allem eine solide und gute Unterhaltung, der man die Erfahrungen des Autors aus Film und Fernsehproduktionen her anmerkt. In und mit einer relativ schnörkellosen Geschichte.

 

M.Lehmann-Pape 2012