Droemer 2016
Droemer 2016

Jorn Lier Horst – Blindgang

 

Ruhig, verschachtelt und intelligent erzählt

 

Sie ist wieder da. „Zu Hause“. Obwohl sie nie mehr dorthin zurückwollte. Zumindest nicht, als sie damals ging.

 

Sofie Lund aber hat nun das Haus ihres Großvaters geerbt. Der beim Sturz die Kellertreppe hinunter starb. Und auch wenn Sofie alles, aber wirklich alles aus dem Haus hat entfernen lassen, was an Möbeln oder Dekoration das Innere ausgemacht hat, sie wird sich gegen eine Reihe von Erinnerungen auf Dauer nicht wehren können. Doch alleinstehend mit ihrer kleinen Tochter Maja scheint das eine gute Idee zu sein, mit dem Haus und dem Rest des Erbes in Ruhe einen neuen Angang im Leben zu starten.

 

Wobei sie, es dauert nicht lange, ihre Freundin aus Schulzeiten wieder trifft. Line. Hochschwanger, ebenfalls alleinstehend, ebenfalls gerade dabei, sich ein „neues Nest“ einzurichten.

 

Während Lines Vater, Kommissar William Wisting, zwar gerne bei der Renovierung mithelfen würde, aber mit Beginn des Romans langsam, aber sicher, alle Hände voll zu tun bekommen wird. Nicht nur, dass schmerzliche Erinnerungen an eine Trennung wach werden, als sich seine ehemalige Lebensgefährtin bei ihm meldet, sondern vor allem, dass durch diese neue Informationen zu einem alten, ungelösten Fall ins Spiel kommen werden. Ein verschwundener Taxifahrer, von dem seitdem keine Spur mehr aufgetaucht ist.

 

„Mitten in der Scheune stand ein Fahrzeug. Es war mit einer grauen Plane bedeckt, die nicht ganz bis zum Boden herunterreichte“.

 

Das Taxi des verschwundenen Mannes. Über Nacht in einer Scheune, wenn man dem Bewohner des kleinen Hofes Glauben schenken darf.

 

In einer Scheune, die Frank Mandt, der verstorbene Großvater Sofies, für gewisse Zwecke zu Zeiten genutzt hatte. Und in deren Nähe ein großer Drogenfund gemacht werden wird. Frank Mandt, der nie belangt werden konnte, aber seine Hände in mehr als einem unsauberen Geschäft gehabt haben könnte.

 

Worauf auch hindeuten könnte, dass eine Waffe in jenem geerbten Haus gefunden wird, die benutzt worden war. Für einen Mord.

 

Langsam, aber sicher und mit klarem Blick führt Horst in seinem neuen Kriminalroman die Fäden zusammen, denn alle Fälle haben den ein oder anderen gemeinsamen Nenner. Fälle aus der Vergangenheit, die für die Gegenwart von Bedeutung sind. Und deren Motive immer noch aktuell sind.

 

Was nicht nur dazu führt, dass Wisting mehr und mehr in seine Ermittlungen abtaucht (und damit die Renovierungshilfe für seine Tochter schwierig wird), sondern er selbst und damit auch seine Familie in das Fadenkreuz der Gefahr gerät.

 

In stetig sich steigerndem Tempo verdichtet Horst dabei im Lauf des Romans die Ereignisse, baut ruhig, aber wirksam Spannung auf und hält die ein oder andere Überraschung bei den wahren Hintergründen der Verbrechen (und des Täters) bereit.

 

Eine anregender, durchaus spannender und in sich logisch konstruierter Kriminalroman.

 

M.Lehmann-Pape 2016