Goldmann 2012
Goldmann 2012

Joy Fielding – Das Herz des Bösen

 

Morde aus reiner Lust am Zerstören

 

Es wir noch spannend werden, wer Joy Fielding kennt, weiß, dass die Autorin Ihre Spannung langsam aufzubauen pflegt. Allerdings stellt sie in dieser Hinsicht die Geduld des Lesers  in ihrem neuen Buch (bis auf hier und da eingestreute äußerst blutige Zwischenstücke) doch sehr auf die Probe.

 

Über weite Strecken wirkt der langsame Beginn des Buches und die ausführlichen Beschreibungen der Personen und deren Verbindungen zueinander, samt dem dazugehörigen Innenleben, doch eher wie eine (leicht) vergnügliche, unterhaltsame Familienlektüre.

Zudem erscheint die Voraussetzung der gefahrträchtigen Situation doch arg konstruiert.

 

Dass eine verlassene Ehefrau, Val, die ihren Mann mit dessen neuer Verlobter, Jennifer, in flagranti im eigenen Haus erwischt hat, just sich von ihrem Mann breit schlagen lässt (voller Hoffnung, ihn doch zurück zu gewinnen) mit dieser Jennifer, ihrer Tochter und zwei ihrer engsten Freunde in ein weit entferntes Berghotel zu fahren, da ihr Noch-Ehemann Evan ständig beruflich verhindert ist (jener Evan, der immer schon Affären nie aus dem Weg ging), allein dies wirkt schon recht künstlich.

 

Das aus dem „nur Hinfahren“ erst eine und dann noch eine Übernachtung wird, Evan nicht auftaucht und die leicht gereizte Stimmung zwischen Val und Jennifer sich vertieft, Val zudem noch mit ihrer pubertierenden Tochter in Reibung gerät und Eifersucht auch in Hinsicht auf das vertraut-lockere Verhältnis zwischen ihrer Tochter und „der Neuen“ noch ertragen muss, das würde im „wahren Leben“ so kaum vorkommen. Immerhin bieten diese verzwickten Verhältnisse gerade in den Personen der Freunde Vals, des schwulen Musical Fanatikers James und der nicht minder exzentrischen Melissa, einige witzige und unterhaltsame Situationen.

 

Nebenbei trifft der Leer dann hier und da auf ein mordendes, junges Pärchen, dessen Freude darin besteht, älteren, allein lebenden Ehepaaren, vornehmlich in der Einsamkeit der Berge, mit einer Machete zu Leibe zu rücken und äußerst blutige Spuren dann zu hinterlassen. Jenes Paar, das zufällig in der Nähe des Hotels ist, in dem sich auch Val mit ihrem Anhang aufhält. Da lässt der erste Mord nicht lange auf sich Warten und den Gästen des Hotels und, in der zweiten Hälfte des Buches, geraten dann Val, ihre Freunde, ihre Tochter und Jennifer ins Visier der lustvoll ohne weiteres Motiv Tötenden. Ein zweiter Teil im Buch, in dem die Thriller Momente durchaus an Fahrt aufnehmen. Wobei auch hier Motive und Handlungsweisen der Mörder ein wenig konstruiert wirken.

 

Alles allem legt Joy Fielding in unterhaltsamem und frischem Stil eine leidlich spannende, dabei aber in den Mordszenen ziemlich blutige, Geschichte vor, die in einem zweiten Strang eher an eine verwickelte Patchwork-Familiengeschichte erinnert denn an einen blutigen Thriller. Wer nun mit all den Morden zu tun hat, ob vielleicht sogar die eigene Tochter dunkle Geheimnisse mit sich trägt und wie das kommt, das der alte Jugendfreund mit seinem Sohn vor Ort auftaucht, all dies gibt dem Buch dann doch die notwendigen Rätsel und die gute Würze, um es zu einer empfehlenswerten Lektüren zu machen.

 

M.Lehmann-Pape 2012