DTV 2013
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Jussi Adler-Olsen – Das Washington Dekret

 

Komplott

 

Auf einer informativen Reise nach China, bei denen der junge Gouverneur Bruce Jansen auch drei Gewinner einer Fernsehsendung mitnimmt (unter Ihnen das allseits beliebte, 14jährige „All-American-Girl“ Doggie, geschieht das Unfassbare. Die Ehefrau des Gouverneurs wird an seiner Seite durch einen chinesischen Mann mit einem Messer getötet.

 

16 Jahre später. Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf läuft auf Hochtouren. Die nun 30jährige studierte Juristin Doggie ist Teil des Teams für Bruce Jansen. Sicher hat sie mit ihrem Vater hier eine Reibungsfläche, der Jansen für das Allerletzte hält, aber da steht sie drüber. Sie sagt ihrem Vater auf dessen Bitte hin sogar zu, dass die Wahlparty in einem seiner Luxushotels stattfindet

 

Da geschieht das Unfassbare. Am Abend des Triumphes, im Hotel, nach einem Erdrutsch Sieg des gereiften Gouverneurs, wird seine neue, hochschwangere Frau von einem engen Angestellten des Vaters von Doggie erschossen.

 

Umgehend wird der Vater in Haft genommen. Nicht ganz so umgehend, einige Tage später, beginnt Bruce Jansen, der frisch gewählte Präsident, seinem engsten Mitarbeiterteam neue Pläne für den Kampf gegen die Kriminalität in Amerika vorzulegen. Gesetze, die von Begeisterung über Sprachlosigkeit bis hin zur Empörung Reaktionen hervorrufen im Mitarbeiterkreis.

 

Wenn man es genau betrachtet, diese Vorlagen und Gesetze sind klare, erste Schritt auf dem Weg, demokratische Grundlagen zu verlassen und das gesamte amerikanische System in Richtung einer verdeckten Diktatur zu bewegen. Pressefreiheit, Bürgerrechte, Privatsphäre, das Recht auf Waffenbesitz und sogar Billig-TV Sendungen, all dies bleibt auf der Strecke. Und nicht nur Doggie ist darüber irritiert, die gesamte freie Welt und ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung beginnt, sich gegen diesen Weg aufzulehnen. Ein Weg, der wohl aus dem Geschehen um die Ermordung beider Ehefrauen erklärbar ist. Oder steckt noch etwas ganz anderes dahinter?

 

Dem geht Doggie nach, nun im Untergrund, denn wie alle anderen entschiedenen Gegner des „Washington Dekrets“ muss sie um ihre Freiheit und Sicherheit fürchten, vor allem gesteigert noch durch ihre vormalige Näher zum Team und als Tochter des Mannes, der des Mordes an der Gattin des Präsidenten angeklagt ist.

 

Dieser rote Faden um Doggie herum und in der Frage nach dem, was hinter all dem steht, der Wille eines Einzelnen oder ein Komplott, das liest sich durchaus spannend und flüssig. Was den Lesefluss allerdings in Teilen doch stört sind die vielen Nebenschauplätze und Personen, die Adler-Olsen im Zuge seines „neuen Bürgerkrieges“ einfließen lässt. Einerseits befördern viele diese „Verästelungen“ nicht ungedingt die Geschichte ans ich, zum anderen wirkt doch Vieles gerade an diesen Seitesträngen (noch mehr als die Grundidee an sich) reichlich fiktiv und daher emotional nicht wirklich fesselnd.

 

Im Gesamten ein durchaus spannender Thriller von Alder-Olsen, der in manchen Teilen allerdings keine allzu große Realitätsnähe aufweist und sich hier und da in einigen Sackgassen verläuft.

 

M.Lehmann-Pape 2013