dtv 2015
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Jussi Adler-Olsen – Takeover

 

Anregend, aber mit Oberflächlichkeiten

 

Ein Mann, der knallhart im Geschäft seine Firma damit erfolgreich macht, dass er andere Firmen „zerstört“. Den Ruf ruiniert, heimliche Übernahmen organsiert, seinen Kunden zum Erfolg gegen die Konkurrenz verhilft. Und der selber gleich doppelt erpressbar wird.

 

Eine junge Frau, die aus härtesten Verhältnissen, geprägt von Gewalt, Drogen, Kriminalität, Alkohol und Prostitution, stammt, aber mit ihrem klugen Kopf einen anderen Weg sich zäh erarbeitet.

 

Vermeintliche Freunde, die hinter dem Rücken mit „dem Feind“ koalieren.

 

Eine Familiengeschichte, die von einem „kreuz und quer“ mit geprägt ist, bei der es nicht einfach ist, die wahren Verhältnisse der beteiligten Personen zu klären.

 

Und eine unwahrscheinliche Verbindung zwischen dem erfolgreichen Firmenleiter Peter de Boer und Nicky Landsaat, der jungen Frau mit teilweise indonesischen Wurzeln, die sich zu einem der wesentlichen Erzählstränge des Buches entfaltet.

 

Gewalt im Ghetto, Betrug in Nadelstreifen, eine alte Schuld, die in der Gegenwart als Druckmittel funktioniert, ein perfider, politischer Plan, einen „Big Player“ der Wirtschaft in die Knie zu zwingen, eine Liebesgeschichte wie Aschenputtel, all das vermengt Adler-Olsen durchaus geschickt zu einem komplexen Ganzen, das den Leser über weite Strecken anregend unterhält.

 

Allerdings werden die Ereignisse im Lauf der Lektüre zwar nicht unübersichtlich, aber doch hier und da stellt sich ein zu viel an Perspektiven und Erzählfäden ein. Ereignisse, die auch ihre Längen ins ich tragen (wie die ersten Verhandlungen der jungen Landsaat was Schuhe angeht). Dass zudem einige der wirtschaftlichen Strategien nicht sonderlich realistisch daher kommen (was die erwähnten Schuhe angeht, reicht ein Telefonanruf im Nachgang aus, das Ziel der Firma de Boers zu erreichen, da fragt sich der Leser schon, warum Nicky Landsaat nach Indonesien zu verdeckten Verhandlungen überhaupt sich aufmachen musste). Wie auch bei anderen der „Strategien“ Adler-Olsen doch sehr vereinfacht die Ränke im Hintergrund darstellt.

 

Dass zudem Nicky Landsaat gerade in der Milieuschilderung ihrer Herkunftsfamilie so gut wie jedes Klischee erfüllt, was man sich im Allgemeinen bei „denen da unten“ vorstellt, wirkt dabei ebenso dick aufgetragen, wie die Entscheidungen des Boers (gegen alle Vernunft und gegen alle Misserfolge seiner jungen Mitarbeiterin), diese nicht einfach zu entlassen. Beginnend damit, dass Nicky noch nicht einmal zum angegeben Termin für ein Vorstellungsgespräch erscheint und sich auf obskure und wenig glaubhafte Weise ihren Platz im Ausbildungsteam erschleicht.

 

Dennoch gelingt es Adler-Olsen, den Leser nach und nach in diese wirtschaftlichen und familiären Intrigen und hintergründigen Strategien mit einzubeziehen, die Spannung nach den wahren Verhältnissen aufrecht zu erhalten und die eher rüden Methoden der „gelackten“ Wirtschaft wieder und wieder vor Augen zu führen.

 

Bis zum (eher kurzen und eher wenig spannungsgeladenen Ende) baut sich im Gesamten eine verzahnte und verästelte „Buch-Welt“ auf, die überwiegend flüssig verfasst  ist und anregend unterhält.


M.Lehmann-Pape 2015