Droemer 2012
Droemer 2012

Karen Rose – Todeskleid

 

Trau keinem „Freund und Helfer“

 

„Sie hatte unbedingt kommen wollen – nein, kommen müssen! Um sein Gesicht zu sehen, wenn sie ihm sagte, wer sie wirklich war. Wenn sie ihm sagte, dass sie etwas besaß, dass ihn ruinieren würde.“

 

So hatte die Studentin Crystal sich das Treffen vorgestellt und unterschätzte leider die Skrupellosigkeit jenes Mannes, den sie erpressen wollte. Am Ende des „Besuchs“ ist Crystal tot. Und einige Zeit Später ist Ramon Munoz des Mordes verurteilt. Die Tatwaffe war ins einem Besitz, eine schriftliche Nachricht an Crystal wurde gefunden.

 

Nun, auch sechs Jahre später noch, ruhen seine Mutter und seine Frau nicht in dem Versuch, seine Unschuld zu beweisen. Tatsächlich scheint es, als hätten die beiden neue Indizien gefunden. Indizien, die Elena, Ramons Frau, dringend Paige Holden übergeben will. Die „Ermittlerin in Ausbildung“ hat der Familie ihren Beistand zugesagt. Doch Elena wird vor den Augen von Paige erschossen, gezielt und kalt.

„Fassungslos, die blutigen Hände machtlos zu Fäusten geballt, starrte Paige auf die Frau“.

Ein blutverschmierter USB Stick und die Warnung der Sterbenden, der Polizei nicht zu trauen sind alles, was Paige nun bleiben. Genug für die mutige Ermittlerin, nicht locker zu lassen.

 

Beistand findet sie in ihrem Chef, Beistand sucht sie in der Person des Staatsanwaltes Grayson Smith, der damals für die Verurteilung von Ramon gesorgt hat. Aber kann sie überhaupt irgendjemandem trauen? Denn auch ihr geht schnell auf, das die Warnung vor der Obrigkeit durch Elena nicht aus der Luft gegriffen war, von Beginn an fast sieht sich Paige dem Druck mancher Polizisten gegenüber und begreift allmählich, dass sie selbst sich in hohe Gefahr begibt. Was auch Grayson, der aufrechte Staatsanwalt, sehr bald ebenso bitter zu spüren bekommen wird. Und irgendwo in diesem Sumpf nicht überschaubarer Loyalitäten und Eigeninteressen wird der Täter zu finden sein.

 

Karen Rose bleibt ihrer Linie auch in diesem neuen Thriller treu. Direkt, klar und mit Tempo entfaltet sie ihre Geschichte und lässt dabei genug Unklarheiten rechts und links des Weges liegen, um den Leser immer in Unsicherheit darüber zu halten, wer, neben den klar definierten Hauptpersonen, Freund oder Feind ist. Spannend zudem schildert Rose Gefahrenmomente und eine sich ständige enger ziehende Bedrohung. Mit dem ein oder anderen Perspektivwechsel biete sie dem Leser zudem einen kleinen Vorsprung in den Ermittlungen, ohne zu viel der Hintergründe der Tat offen zu legen. Und das alles getragen von einem Personal, dass durchaus auch seine Schattenseiten in sich trägt, mit traumatischen Erfahrungen fertig werden muss und nicht als „Überflieger“ solche Fälle mit sicherer Hand löst.

 

Unterhaltsam, sprachlich klar, mit Tempo und Verwicklungen, mit Gefahr und Bedrohung, „Todeskleid“ ist ein überzeugender Thriller, der bis zum Ende bestens unterhält.

 

M.Lehmann-Pape 2012