Droemer 2014
Droemer 2014

Karen Rose – Todesschuss

 

Routiniert und dennoch spannend

 

Mehr als eine alte Rechnung steht zu Beginn dieses neuen Thrillers um Detektive Stevie Mazzetti noch „auf der Liste“.

 

Bereits im Prolog wird deutlich, dass der harte Schicksalsschlag, den die toughe Polizistin acht Jahre zuvor mit der Erschießung ihres Mannes und ihres kleinen Sohnes hinnehmen musste, weder ein Zufall noch ein Unfall waren, sondern ein kaltblütiger Mord.

 

Mazzetti, die sich gerade von einem Anschlag erholt, mitten drin steckt im Trubel um ihr Aufarbeitung der Korruption ihres ehemaligen Mentors, wird aber zudem erleben, dass sie selbst im Fadenkreuz eines durchaus einflussreichen Mannes steht, der sie besser gestern als heute tot sehen will.

 

Und ein drittes steht „auf der Liste“. Da gibt es immer noch den Privatermittler Clay Maynard, der sich unrettbar zu Stevie hingezogen fühlt und unter ihrer harschen Zurückweisung leidet (lange, im Buch noch). Doch Stevie hat sich abgewendet. Möchte, dass sich Clay fernhält, auch von ihrer Tochter.

Nicht aufgrund mangelnder Gefühle, sondern weil sie der festen Überzeugung ist, dass sie selbst Clay nicht gut tun würde, dass das nicht geht, dass das nicht sein darf.

 

Was Clay weder in allen Facetten weiß noch im Ansatz verstehen kann.

 

In ihrer klaren, geraden und temporeichen Sprache entfaltet Rose in ihrem neuen Thriller so ein Geflecht von alten und neuen Feindschaften, von Bedrohungen und unterschwelliger, leidenschaftlicher Emotionen, die wieder einmal einen durchaus anregenden Mix ergeben.

 

Und Gefahr lauert über fast die gesamte Länge des Buches, wobei vor allem die Frage, wer denn damals den Auftrag zum Mord an Stevies Mann gegeben hat, den hintergründigen roten Faden verleiht. Während im Vordergrund die Bedrohung der Polizistin selbst und ebenso ihrer Tochter für Tempo und Spannung sorgt.

 

Andererseits sind gut 750 Seiten doch eine Menge Papier, die nicht durchgehend mit gleichermaßen Spannung gefüllt sind. Die emotionalen Verwicklungen nehmen doch ein wenig zu viel Platz fast ein und lassen eine gewisse Unruhe beim Leser entstehen, wie lange das denn noch dauern soll, bis diese Gefühle endlich einen gewissen Raum auch finden.

 

Ebenso neigt Rose zu eher stereotypen Protagonisten. Böse ist zumeist böse und die guten sind eindeutig voller Ehre, sozialem Gewissen und aufopferungsvoller Hinwendung zueinander. Ein wenig mehr Differenzierung, wie im Ansatz beim Hintermann der Anschläge hätte auch anderen der Personen gut zu Gesichte gestanden.

 

Alles in allem routinierte Unterhaltung, für Fans die Forstsetzung der Beziehungsgeschichte zwischen Stevie und Clay, ein verwickelter Fall aus der Vergangenheit und, bis auf einige Längen, mit Verve und Tempo erzählt.

 

 

M.Lehmann-Pape 2014