Blanvalet 2012
Blanvalet 2012

Karin Slaughter – Letzte Worte

 

Rache

 

Sara Linton ist wieder in ihrer Heimatstadt. Für vier Tage nur. Zu Besuch. In jener Stadt, in der sie glücklich war. Mit Jeffrey, dem damaligen Polizeichef glücklich verheiratet war. Jeffrey, der Tod ist. Ein Tod, der in den Augen Saras mit von Jeffreys Kollegin Lena Adams verschuldet wurde. Wissentlich gar.

 

Und obwohl Sara einen großen Bogen um allzu vertraute Orte fährt, sie wird der Vergangenheit und der Konfrontation mit Lena Adams nicht „davonfahren“ können.

 

Ein junges Mädchen, Allison, ist zu Tode gekommen, allem Anschein nach Selbstmord, doch bei näherer Betrachtung finden die Polizisten Lena und Frank (ein Alter, fast väterlicher Freund Saras und Jeffreys) Anzeichen für einen Mord. Bei den umgehenden Ermittlungen treffen sie auf Tommy Braham, ein blutiges Zusammentreffen, an dessen Ende Frank eine Stichwunde im Arm erleidet, ein weiterer Polizist lebensgefährlich verletzt auf dem Boden liegt und Tommy in Gewahrsam wegen Mordes genommen wird.

 

Tommy, der „Zurückgebliebene“, ein ehemalige Patient aus Saras Tagen als Kinderärztin vor Ort. Tommy, der umgehend im Verhör mit Lena ein Geständnis unterschreibt. Tommy, der in  der Zelle keine Ruhe zu geben scheint, so dass Frank Sara bittet, sich als Ärztin um den Jungen zu kümmern. Als Sara eintrifft, hat sich Tommy bereits selbst das Leben genommen. Auf harte, überaus blutige Weise.

Und umgehend schöpft Sara Verdacht. Was die Abläufe angeht, das Geständnis angeht, was vor allem Lena Adams Rolle angeht.

Für Sara ist es keine Frage, Lena hat ihre Finger (wieder einmal) tödlich im Spiel. Sie lässt ihre Beziehungen spielen und wenig später trifft Agent Will Trent vor Ort ein, um den Fall zu untersuchen. Und sieht sich einer Mauer eisigen Schweigens gegenüber.

 

Feindseligkeit macht sich breit, vor allem, als sich mehr und mehr der Eindruck verdichtet, dass an vielen Stellen unsauber gearbeitet wurde und deutlich wird, dass so manche der handelnden Polizisten ganz eigene Interessen verfolgen und hinter den jovialen Kulissen mit harten Bandagen gekämpft wird. Und dann geschieht ein zweiter Mord und alles mischt sich neu. Zudem Will Trent bewusst eine Eskalation im Ort provoziert.

 

Karin Slaughter nimmt sich in bester Weise Zeit für ihre Personen und die verflochtenen Beziehungen, für Pläne der Zukunft und für Lasten der Vergangenheit.

Dies zeigt schon die erste Sequenz des Buches auf, in der nicht einfach eine Leiche gefunden wird, sondern der Leser Schritt für Schritt die junge Allison auf ihrem „Weg in den Tod“ begleitet.

Und setzt sich fort in der genauen und emotional nachvollziehbaren Darstellung der weiteren Personen bis in die „Nebenrollen“, wie Saras Mutter und Schwester, hinein. Eine Breite, die nicht langatmig oder langweilig wirkt, sondern ganz im Gegenteil es versteht den Leser mitten hinein zu nehmen in all das, was hinter der Fassade der Personen vorgeht und teils auch brodelt.

 

Eine fast besessene Sara, ein undurchschaubarer neuer Polizeichef, eine durchaus gar nicht so unsympathische Lena Adams (die dennoch vieles zu verbergen hat), ein kühler Will Trent, der aber doch nur versucht, seine inneren Probleme nicht nach außen dringen zu lassen.

Diese und alle weiteren Personen bilden ein dichtes Netz im Lauf des Buches, in dessen Maschen irgendwo ein Mörder sitzen wird. Doch die Frage, wer das wirklich ist und wie das zusammenhängt, die wird alle Ermittler und natürlich auch den Leser in bester Weise bis zum Ende hin in Spannung halten.

 

Spannend, gut erzählt, mit Tempo und dennoch dem nötigen Raum, die Personen im Buch zu entfalten und die emotionale Atmosphäre in der Kleinstadt und unter den beteiligten Personen dem Leser deutlich vor Augen zu stellen bietet der neue Thriller von Karin Slaughter beste Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2012