Droemer 2017
Droemer 2017

Kate Mosse – Der Kreis der Rabenvögel

 

Düster-spannender Verschwörungsthriller

 

Was genau macht eigentlich Connies Vater, Gifford, bei diesem alten Brauch in der alten Kirche? Und wer ist die Frau, die das Geschehen versteckt beobachtet?


Warum zieht sich Gifford danach fast wie in ein Versteck in sein Zimmer zurück und spricht noch mehr als sonst bereits üblich dem Alkohol zu?

 

Und verschwindet just in dem Moment, in dem an dem ruhig gelegenen Haus vor den Toren Londons im Priel eine weibliche Leiche angespült wird?

 

Und warum wird das Haus und eben jener Gifford von der Mühle gegenüber beobachtet? Im Auftrag eines hochgestellten Londoner Bürgers?

 

Ereignisse, die von Beginn an eine bedrohliche Atmosphäre setzen und sich im Lauf der Lektüre mehr und mehr mit der Amnesie der jungen Connie verbinden werden.

 

Denn da war was, in Kindertagen. Da war was, was vielleicht mit der verstorbenen Mutter zu tun haben könnte und mit einer anderen Frau, die Connie einfach in ihrer Erinnerung nicht wirklich vor die Augen tritt.

 

Klar aber ist, zumindest dem Leser, das hier dunkle Ereignisse aus der Vergangenheit ihren Schatten werfen und das nicht nur Gifford eine tragische Form von Schuld zu tragen scheint, sondern auch eine ganze Reihe von Honoratioren keine saubere Weste haben.

 

So gelingt es Kate Mosse von Beginn an, auch durch ihre sehr lebendige, flüssige Sprache und die bildkräftigen Beschreibungen der einzelnen Szenen den Leser für diese Schicksale zu interessieren, auch wenn zunächst gar nicht so viel passiert, sondern Mosse sich Zeit nimmt, ihren einzelnen Figuren zu folgen und diese griffig zu entfalten.

 

Wozu auch die detaillierte Beschreibung des Handwerks passt, das Gifford und Connie meisterhaft beherrschen. Das Ausstopfen von Lebewesen. Beschreibungen, für die es hier und da einen guten Magen braucht, so klar stellt Mosse die Tätigkeit vor die Augen des Lesers.

 

Wie es ihr ebenso gelingt, die Atmosphäre der Zeit von 1912 bestens zu treffen und die vielfachen quer- und Nebenverbindungen der Personen immer im Blick zu haben und mitschwingen zu lassen.

 

Eine düstere Geschichte, eine treffende Atmosphäre, eine durchaus passende, sich entfaltende Liebesgeschichte (falls Connie sich einen Ruck geben werden wird, was lange nicht klar entschieden ist) und ein temporeiches, dichtes Finale, in dem Mosse keinen Schritt von ihrem bestens formulierten Stil abweicht.

 

 

Ein spannender, hervorragend geschriebener Roman, fast ein Thriller, den Mosse ebenso hervorragend in seiner Zeit des viktorianischen London verankert.

 

M.Lehmann-Pape 2017