Blessing 2014
Blessing 2014

Kathy Reichs – Knochen lügen nie

 

Spannend und gut

 

Gesundheitlich ist Tempe Brennan angeschlagen, Grippe, dröhnender Kopf, und doch erwacht umgehend in ihr hohe Konzentration, als sie die Leiche des jungen Mädchens vor sich hat.

 

„Zu meiner Überraschung hat einiges an DNS überlebt“.

 

So lautet die Nachricht eines Kollegen zu einem anderen, weiter zurückliegenden Mordfall ganz ähnlicher Art.

 

Und kalt, sehr kalt wird Tempe Brennan, als sie den Namen der Person liest, zu der die DNS des damaligen Falles, vor allem aber die „Handschrift“ der Täterin gehört. Eine alte Feinden, eine der wenigen weiblichen Serienkiller, die Tempe je untergekommen sind scheint in der Nähe zu sein. Zufällig in der Nähe? Oder hat dieser neue Mord etwas damit zu tun, das jene Anique noch eine Rechnung mit Tempe offen hat?

 

Eine Reise in die Vergangenheit, die Tempe Brennan alles abfordern wird, die mehr als nur diese beiden zu Anfang bekannten Morde in den Raum setzen wird und die dazu führt, dass Tempe ihrem ehemaligen Geliebten , Detective Ryan, an dessen Zufluchtsort folgen werden muss.

 

Denn nur Ryan hat in ihren Augen eine realistische Chance, die Wege Aniques zu verstehen und die Frau aufzuspüren und zu stellen.

 

Jener Ryan, der ein zerbrochener Mann zur Zeit ist. Der den Alkohol als Grundnahrungsmittel betrachtet, dessen altes Feuer entweder völlig erloschen, zumindest aber an der Oberfläche nirgends mehr sichtbar ist. Und der einfach so aus Tempes Leben verschwunden war. Ein Geschehen, dass für lange unterschwellig zwischen beiden stehen wird. Von dem Moment an, als sie ihn findet über fast die gesamten Ermittlungen in dem komplexen Fall hinweg.

 

Wie immer fundiert in den forensischen Teilen des Buches, aber weniger ausufernd, was den rein kriminalistisch-wissenschaftlichen Teil des Thrillers angeht, legt Kathy Reichs in diesem Werk spürbar Tempo vor.

 

Und wendet sich in der Wahl der Opfer an solch unschuldige junge Mädchen, fast noch Kinder, dass der Leser umgehend Teil der rechtschaffenen Jagd nach diesem „weiblichen Monster in Menschengestalt“ wird.

Zudem bietet realistisch angelegte „Beziehungsstörung“ samt der tiefen vorhandenen Gefühle zwischen Tempe und Ryan einen zweiten, inneren Handlungsstrang, der eine weitere, emotional anregende Ebene in den Fortgang der Ereignisse setzt.

 

Wobei auch Tempes eigene Lebensgeschichte samt der hin- und her schwankenden Unruhe in der Beziehung zu ihrer Mutter weiter sich aufklärt und eine besondere Aktualität dadurch erhält, dass Tempes Mutter fast wie „hellsichtig“ kryptische Nachrichten zu den Morden an Tempe übermittelt.

 

Und die Zeit drängt, denn wieder ist ein junges Mädchen verschwunden und erfahrungsgemäß bleiben nur wenige Tage, an denen Anique mit ihrem Opfer „spielt“, bis diese ihres Spiels überdrüssig wird und ein weiterer Mord sich der List anschließen wird.

 

Ein Thriller mit realistischem Setting, spannungsvollen Beziehungen, einer ständig lauernden Bedrohung, überraschenden Wendungen und intelligenten Ermittlungen.


M.Lehmann-Pape 2015