C.Bertelsmann 2015
C.Bertelsmann 2015

Kazuaki Takano – Extinction

 

Psychologisch, Philosophisch, Biologisch, Spannend

 

Aus drei Hauptperspektiven heraus entfaltet Takano seinen Wissenschaftsthriller, der mit seinem Thema der „nächsten Stufe der Evolution“ gar nicht so weit aus dem Rahmen des real möglichen fällt, wie man zunächst (in der dem Menschen eigenen Hybris) meinen könnte.

 

Im Buch selbst legt Takano die Grundlagen der Evolution und den aktuellen Stand der Molekularbiologie dem Leser an einer Stelle detailliert vor Augen und verweist damit auf die zumindest denkbare Möglichkeit seines Szenraios.

 

Während der Söldner John Yeager im Irak kurz vor seinem Urlaub auf eine Sondermission hin angesprochen wird (und diese ob des hohen Gehaltes annimmt. Geld, dass er für die Behandlung seines dem Tod geweihten Sohnes benötigt), erhält der junge japanische Doktorand Keto zunächst die schockierende Mitteilung vom plötzlichen Tod seines Vaters und sodann eine kryptische Email von diesem post mortem.

 

Eine Email, die ihn zu einem besonderen kleinen Laptop führt und dann zu einem Appartement, in dem sein Vater scheinbar private Forschungen angestellt hat.

 

Jener Vater, der vor Zeiten bei einem Pygmäenstamm im Kongo forschend tätig war, zu genau dem John Yeager mit drei anderen Söldnern in einem „dreckigen Auftrag“ aufgebrochen ist. Wobei dreckig nichts anderes meint als die Vernichtung des Stammes.

 

In Auftrag geben von Burns, dem aktuellen amerikanischen Präsidenten (in dem Takano kaum verhüllt, vor allem aber in der psychologischen Tiefendarstellung zutreffend George Bush den jüngeren portraitiert). Ein Auftrag, der von Geheimdienstseite her durch Artur Rubens, einem hochbegabten Wissenschaftler her beaufsichtigt wird. Einer, der, je weiter er in diesen Auftrag gedanklich eindringt und je mehr Informationen er über das Ziel des Auftrages erhält, desto weiter innerlich von der geplanten Tötung abrückt.

 

So beginnt auf allen Seiten ein temporeicher und spannender Wettlauf mit der Zeit. Keto versucht, die Forschung seines Vaters zu einem Abschluss zu bringen und hat dafür nur wenige Wochen Zeit, bevor Menschen sterben werden.

 

Yeager steht im Kongo mit dem Rücken zur Wand, bedrängt von vielfachen Milizen, in Sorge um seinen Sohn und angesichts plötzlicher Hoffnung, die ihn seinen Auftrag nicht ausführen lässt.

 

Artur Rubens versucht derweil alles, Licht in das Dunkle der Mächtigen zu erhalten und von seiner Seite her gravierende Fehler mit massiven Folgen zu vermeiden.

 

Dies alles stellt Takano sehr flüssig im steten Wechsel der Perspektiven vor die Augen des Lesers und versäumt es nicht, neben den möglichen wissenschaftlichen Grundlagen, auch die Frage nach Ethik, Moral und der inneren Ausrichtung des Menschen zu stellen. Jener Gattung, die als einzig bekannte nicht nur in der Lage, sondern auch massiv Willens ist, Genozid an der eigenen Gattung zu begehen, wenn es der eigenen Bereicherung oder der vermeintlichen eigenen Sicherheit dient.

 

Viele Verweise baut Takono in dieser Hinsicht flüssig in seine Handlung ein, vom Genozid in Ruanda bis zum Holocaust und zu den Millionen Opfern der Sklaverei. Überzeugende Gedanken, die dieses Buch nicht nur zu einer empfehlenswerten Unterhaltung machen, sondern auch zur Reflexion des Leser anhalten.


M.Lehmann-Pape 2015