Klett 2014
Klett 2014

Keigo Higashino – Heilige Mörderin

 

Intelligent und formvollendet

 

Immer höflich, die Form wahrend und beherrscht, dieses typisch japanischen „Haltungen“ zeigt Higashino bei all seinen Protagonisten durchgehend und beeindruckend auf.


Was weder den Täter in seinem Plan aufhalten wird, noch die ermittelnden Polizisten und auch nicht den hinzugezogenen Physik-Professor Yukawa von ihrer beharrlichen Verfolgung zur Lösung des Falles abhalten wird.

 

Ein Unternehmer wird tot aufgefunden in seiner Villa. Vergiftet. Zum Zeitpunkt des Todes war er allein. Das vorrangige Motiv (und hier weiß der Leser von Beginn an mehr als die Ermittler) besitzt die Ehefrau. Ayana. Eine Frau, zu der sich Inspektor Kusanagi von Beginn der Ermittlungen an stark hingezogen fühlen wird.

 

„Dabei wusste er selbst nicht, wieso Ayana Mashibas Anblick ihn derart aus der Fassung brachte“.

 

Eine „formvollendete“ Frau, deren mögliches Mordmotiv im Übrigen auch in den „Formen“ zu finden sein wird, die der Tote, ihr Ehemann, ihr unverblümt als „Lebensregel“ mitteilt.

 

Aber wie kann diese nun Witwe das Verbrechen begangen haben, wenn sie zum Zeitpunkt des Mordes weit weg zu Besuch bei ihren Eltern war? Oder hat doch die Geliebte des Toten ihre Hände im Spiel? Diese zumindest wäre bei der konkreten Art der Durchführung des Mordes als „Kollateralschaden“ möglich gewesen. Was nicht hat passieren dürfen, um nicht alles an Plan zu gefährden.

 

Ein Jahr lang werden die Ermittler sich immer wieder festgefahren vorfinden. Bis mit vereinten Gedankenkräften Licht in den mysteriösen Verlauf des Mordes kommen wird.

 

Abwechslungsreich achtet Higashino darauf, die tragenden Personen je voneinander verschieden zu gestalten. Die kühle Ehefrau mit ihren gezielten Traueranfällen, der eher intuitive Kommissar, seine direkte und klare Assistentin, die emotionale Geliebte und der analytische Professor ergeben insgesamt ein spannungsreiches Beziehungsgeflecht, dass den Leser immer wieder an anderen Stellen der Geschichte abzuholen versteht.

 

Vor allem aber die komplexe und sehr intelligente Darstellung des Falles und vor allem der Durchführung des Mordes machen, in Verbindung mit der sehr direkten und klaren Sprache Higashinos, die Lektüre zu einem anregenden „Kopfrätsel“ und halten den Leser, trotz mancher sehr ruhiger Passagen im Buch, durchaus bei der Lektüre fest.

 

 

Wie bei der „Verdächtigen Geliebten“ eine intelligenter und anregend zu lesender japanischer Kriminalroman.

 

M.Lehmann-Pape 2014